Sturz-desaster in drammen: rydzek raus, kläbo am boden – kristallkugel trotzdem sicher

Ein Knall, zwei Aufschreie, null deutsche Finalisten: Drammen verwandelte sich über Nacht in einen Schauplatz des Grauens für das deutsche Langlauf-Team. Was als Sprinttag mit Medaillenchancen begann, endete mit Bandagen, Tränen und einer kleinen Trophäe, die sich trotzdem schon vorzeitig auf den Weg nach Norwegen macht.

Coletta rydzek fliegt über svahn – und landet auf platz 26

Die 28-jährige Oberstdorferin hatte Lahti noch als drittschnellste Frau verlassen, doch die engste Linkskurve Norwegens wurde zur Falle. Linn Svahn touchierte Iris de Martin Pinter, beide Schwedinnen kippten, Rydzek sah die Szelle erst, als Svahns Ski bereits nach oben zeigte. Sekundenbruchteile später lag auch sie am Eis, die Stöcke weg, der Traum vom Finale ebenfalls. 26. – das ist ihr schlechtestes Sprintergebnis seit zwei Saisons. „Ich hab nur noch geschaut, wo mein Ski hängenbleibt“, sagte sie mit zitternder Stimme, „mehr war nicht drin.“ Laura Gimmler, ihre Team-Bronze-Partnerin von Peking, riss sich für sie noch auf Rang fünf des Endlaufs – ein Trost, der nicht wärmt.

Die Bilder gingen um den Globus: Kläbo, der Superstar, der sich auf dem harten Kunstsnow nach dem Sturz erst mal die Maske vom Gesiss riss und mit leerem Blick dalag. Bend Ogden hatte sich vor ihm verkeilt, der Norweger konnte nicht ausweichen, flog über den US-Boy und knallte mit dem Hinterkopf auf die Piste. Elfter – seine längste Final-Pause seit 2018. Doch die Rechnung geht trotzdem auf: Ansgar Evensen räumte den Sieg ab, die Konkurrenz um die Sprintwertung blieb außen vor – und so reist bereits am Dienstag die kleine Kristallkugel nach Trondheim, wo Kläbo sie in Empfang nehmen wird. Sechs Weltcupsiege in Folge, sechs Goldmedaillen in Cortina – eine Schlappe ändert nichts am Gesamtsieg, nur am Stolz.

Jan stölben wird 23. – und kassiert eine demütigung im vorlauf

Jan stölben wird 23. – und kassiert eine demütigung im vorlauf

Deutschlands schnellster Mann war schnell aus dem Rennen. Stölben verlor bereits im Viertelfinale den Anschluss, nachdem er in der ersten Runde noch Führungsarbeit leistete. „Die Beine waren leer, die Lungen zu spät“, kommentierte er knapp. Damit bleibt die deutsche Männer-Sprintserie ohne Finalsieg seit Januar 2022 – ein Makel, der sich in der Heim-WM in Oberhof rächen könnte.

Die Serie der deutschen Stürze reißt nicht ab. Seit der Tour de Ski haben Rydzek, Gimmler und Co. fünf Mal die Finalqualifikation verpasst – dreimal nach Stürzen. Die Ingenieure der FIS werden die Kurvenradien in Drammen neu vermessen, doch das hilft Rydzek und Kläbo nicht mehr. Ihre Körper werden erst einmal schmerzen, ihre Statistiken aber bleiben glänzend: Kläbo sammelt weiterhin Weltcup-Punkte wie andere Autogrammkarten, Rydzek bleibt in der Gesamtwertung vorne – wenn sie wieder laufen kann.

Am Ende steht eine ironische Bilanz: Norwegen feiert den Heimsieg durch Evensen, Deutschland tröstet sich mit zwei Kristallkugeln – und zwei Athleten, die sich morgen erst mal den Schädel fotografieren lassen. Sport ist eben nicht nur Sieg oder Niederlage, sondern manchmal einfach nur der nächste Arzttermin.