Sturm jubelt: bruins schlagen zurück und schnüren das playoff-ticket

38 Sekunden retten Marco Sturm den Traum. Nach einem Schlenzer von Pavel Zacha klappt in Buffalo die Kabinentür auf, die Bruins marschieren mit 88 Zählern direkt auf die Postseason zu.

Der krimi von niagara falls

Was für ein Nervenkrieg. Dreimal führten die Sabres, dreimal glichen Bostoner an. Lukas Reichel lief 14 Minuten Eiszeit, blieb ohne Scorerpunkt, doch seine Checks zwangen Buffalos Top-Line in ungewohnte Routen. Als Zacha den Puck aus dem Bully heraus zur Bande trug und mit Backhand-Stück versenkte, explodierte der Visitor-Bereich – Sturm schlug die Faust so heftig auf die Plexiglasscheibe, dass das Material klirrte.

Die Tabelle lügt nicht. Mit 88 Punkten führen die Bruins die Wilcard-Tabelle der Eastern Conference an, drei Punkte trennen sie von den Verfolgern. Noch besser: Auf Platz drei der Atlantic Division lauern die Montreal Canadiens mit exakt derselben Punktzahl, aber zwei Partien mehr in der Hinterhand. Mathematik ist einfach – gewinnt Boston die restlichen fünf Spiele, ist selbst ein Direktplatz drin.

Sturms geheimwaffe heißt balance

Sturms geheimwaffe heißt balance

Seit der 1:5-Pleite gegen Florida schraubte der ehemalige DEB-Coach die Reihen um, stellte Verteidiger Clifton neben McAvoy und verlangte von seinen Stürmern aggressives Backchecking. Die Statistik bestätigt den Plan: In den letzten vier Partien kassierte Boston nur fünf Gegentore, nach zuvor 15 in den drei Spielen davor. Die Powerplay-Quote stieg auf 27,8 Prozent – das drittbeste Value der Liga seit dem Trade-Deadline.

Und Reichel? Der Berliner durfte erstmals in der sogenannten „Energy Line“ neben Foligno und Frederic wirbeln. Kein Tor, aber acht Hits, zwei Blocked Shots und eine gewonnene Bully-Statistik von 58 Prozent. „Er bringt uns Tempo und deutsche Gründlichkeit“, schwärmte Sturm im Interview mit NESN. Die Botschaft ist klar: Talent allein reicht nicht, hier zählt nur Dienst nach Vorschrift.

Die Saison ist noch lang, doch die Marschrichtung steht. In der Nacht auf Samstag warten die Rangers im TD Garden, dann folgt ein Back-to-Back in Carolina. Wenn die Bruins diese Hürde nehmen, dürfte Mitte April kein Weg mehr an Boston vorbeiführen. Sturm wischt sich die Haarsträhnen aus der Stirn und grinst: „Wir wollen nicht nur dabei sein, wir wollen stören.“ Die Playoffs haben die Bruins längst vor Augen – und sie haben den Plan, dort nicht nur Füllmaterial zu sein.