Strelow knöpft sich afrika vor: warum der olympia-bronze-mann jetzt richtig weg muss

Justus Strelow fliegt nicht einfach nur in den Urlaub. Er flieht. Nach 141 Tagen Wettkampf-Wahnsinn, nach Olympia, nach Druck, nach Kälte, nach Schießfehlern und Treffern, nach Bronze und nach Tränen. Südafrika soll das sein sperriger Reset-Knopf werden.

Erste landung: familie

Der 29-Jährige hat die Zahlen parat: Seit November war er „nahezu durchgehend unterwegs“, Termine kollidierten mit Geburtstagen, mit Krankheit, mit dem ersten Schritt seines Sohnes Karl. „Auch das Familienleben hat oft genug hinter meinem Sport zurückgestanden“, schreibt er in seiner Sächsischen Zeitung-Kolumne. Dieser Satz klingt wie ein Schuldbekenntnis. Und wie ein Vorsatz.

Oslo war der letzte Stopp, Platz 15 im Sprint, Platz 11 in der Verfolgung. Keine Krise, aber auch kein Feuerwerk. Genug, um mit erhobenem Kopf zu verschwinden. „Es ist von Vorteil, ein langes Wettkampfjahr mit positiven Eindrücken abzuschließen“, analysiert er. Sonst würde der Kopf in der Sommerpause nicht durchatmen, sondern rattern.

Zweite landung: kopf

Zweite landung: kopf

Was ihn erwartet, ist kein Trainingslager. Kein Schnee. Keine Herzlaten-Files. Stattdessen: Löwen im Krüger-Nationalpark, Weinberge am Kap, Sand zwischen den Zehen. Elli, seine Frau, hat die Reise geplant. Karl darf zum ersten Mal richtige Elefanten sehen, nicht nur die aus dem Bilderbuch. Strelow will sich „unbeschwert“ bewegen. Das klingt einfach. Für ihn ist es Revolution.

Denn der Biathlon frisst nicht nur Knie und Lunge, er frisst Kompass. Wer Monate lang jeden Morgen das Gewehr auf die Schultern legt, vergisst irgendwann, wie sich Faulheit anfühlt. Strelow weiß das. Er hat schon wieder Angst, dass er die Lust vermisst. „Mit den Wochen freier Zeit meldet sich dann erfahrungsgemäß auch die Lust auf meinen Sport vehement zurück“, schreibt er. Diese Lust nennt er „vehement“, als wäre sie ein Gegner, der sich von hinten anschleicht.

Dritte landung: zukunft

Dritte landung: zukunft

Frühjahr. Das Wort steht schon im Kalender, wie eine Drohung. Dann beginnt der Aufbau, 600 Stunden auf dem Rad, Schießtraining in Thüringen, wo noch nicht mal Gras wächft. Strelow weiß: „Dann werde ich mich wieder mit voller Leidenschaft ins harte Training stürzen.“ Aber eben noch nicht. Jetzt zählt nur, dass Karl die Elefanten sieht und Elli endlich wieder einen Mann erwischt, der nicht nach Schießpulver riecht.

Er fliegt am Samstag. Die Koffer stehen halb gepackt im Flur, daneben das Gewehr. Es bleibt zu Hause. Für einmal muss der Sport warten. Und das ist keine Flucht – das ist Strategie.