Tami lässt okafor zurückkehren – und verschwindet selbst
16 Monate Sperre, ein halbes Dutzend Seitenhiebe, ein Krisengespräch in Zürich – und jetzt steht Noah Okafor wieder im Nati-Kader. Pierluigi Tami, der sich nach der WM verabschiedet, nickte bei der Rückholung des Stürmers durch Murat Yakin nur noch kurz ab. Die Quittung für die öffentlichen Ausfälle des 23-Jährigen liefert der Verband mit knappen Worten: „Er war einsichtig.“

Die feinjustierung eines zerwürfnisses
Okafor hatte die Nichtberücksichtigung für die WM in Katar nicht nur intern hinterfragt, sondern seine Frustration in Interviews ausgekocht. Der Verband reagierte mit Schweigen und internen Rüffeln. Was folgte, war ein Besuch des Spielers beim Teamhotel Anfang Oktober – ohne Journalisten, ohne Kameras. Ein Gespräch unter vier Augen mit Yakin und Tami, das offenbar mehr bewirkte als alle Pressestatements der vergangenen Monate.
Tami betont, dass nie die Qualität des Milan-Profis infrage stand. „Er ist eine gute Wahl“, sagt der scheidende Direktor, doch die Betonung liegt auf dem Wörtchen Wahl. Denn die letzte liegt nicht bei Okafor, sondern bei Yakin – und der hat offenbar die Bedingung gestellt, dass sich der Angreifer künftig auf dem Platz beweist, nicht in den Medien. Der Weg des Wassers, so der Symboltitel des SRF-Films zur WM, begleitet die Nati auch 2024 – nur fließt er diesmal durch ein neues Flussbett.
Für Tami persönlich ist die Okafor-Affäre ein Postskriptum. Nach elf Jahren als Nati-Direktor tritt der 63-Jährige zurück, hinterlässt eine Mannschaft, die sich neu erfindet, und einen Spieler, der lernen muss, dass Talent allein keine Eintrittskarte ist – sondern Disziplin das eigentliche Ticket. Die letzte Lektion des Lehrers Tami: Wer zu laut fragt, muss leise antworten.