Stiller rast in die nationalmannschaft – und träumt vom wm-ticket
Angelo Stiller packte das Handy, stornierte den Madrid-Trip und warf sich ins Training. Denn wer träumt schon von Spanien, wenn in Basel plötzlich die Tür zur WM weit aufsteht?
Die verletztenliste wird zur steilvorlage
Aleksandar Pavlovic’ Hüfte und Felix Nmechas Adduktoren zogen die Notbremse – und katapultierten den VfB-Sechser zurück ins Lager von Bundestrainer Julian Nagelsmann. Noch vor einer Woche verriet der 38-Jährige, Stiller spiele „nicht in der ersten Elf“ und man habe „andere Optionen“. Heute zählt nur: Ist er fit? Kann er morgen gegen die Schweiz neben Leon Goretzka die Doppelsechs aufräumen? Anton Stach und Pascal Groß lauern, doch der Stuttgarter Block spricht für sich: Sechs Schwaben sind dabei, kein Club liefert mehr.
Die Ironie: Gerade noch galt Stiller als Abräumer der Liste, nun soll er Lücken stopfen. Sein letztes Länderspiel: September, 0:2 gegen die Slowakei, WM-Quali-Auftakt, 45 Minuten, kaum Szenen. Seitdem schraubt er in der Bundesliga die Passquote auf 91 %, gewinnt 57 % seiner Zweikämpfe – und hört trotzdem erst, wenn Pavlovic erneut zuschlägt.

Kimmich pfeift nagelsmanns kritik zurück
Joshua Kimmich räumte am Dienstag die Personaldebatte vom Tisch – und lieferte Stillers Lebenslauf nach. „Nein“, schnitt er die Kimmich-auf-der-Sechs-Frage ab, dann das Kompliment: „Angelo ist in Topform, hat großen Anteil am Erfolg des VfB.“ Der Kapitän lobte nicht nur, er schob. Denn wer anders als der Münchner kennt das Gefühl, plötzlich zum Rädchen im Plan zu werden?
Stillers Madrid-Koffer steht noch halb gepackt im Flur. Statt Tapas gibt es jetzt Taktik-Boards, statt Bernabéu das St.-Jakob-Park. Die Verletztenmisere versetzt den 24-Jährigen in dieselbe Lage wie einst Leroy Sané, der sich im vergangenen Lehrgang durch Biss und Tempo seinen Platz erzwang. Drei Tage hat er, um Nagelsmanns Ausschluss-Reim zu knacken. Tut er es, fliegt er im Sommer nicht in die spanische Hauptstadt, sondern auf die andere Seite des Atlantiks – nach Amerika.
Die Chance ist da, die Tür steht offen. Und Stiller? Der rennt schon.
