Stiepermann übernimmt rhynern und will direkt durchstarten

Marco Stiepermann, 24 Premier-League-Einsätze für Norwich City, schlägt die nächste Seite auf: Der 35-Jährige wird zum Sommer Cheftrainer beim Oberliga-Spitzenreiter Westfalia Rhynern – und damit Teil eines ehrgeizigen Aufstiegsplans, der weit über die Provinz hinaus strahlen soll.

David schmidt gibt steuer komplett ab

Bisher führte Schmidt beide Rollen: Coach und Manager. Nun räumt er das Traineramt, um sich als Sportlicher Leiter auf Scouting, Kaderplanung und Klub-Strategie zu konzentrieren. „Ich habe mich an Karneval endgültig festgelegt“, sagt er und lacht trocken. „Wenn ich was mache, dann mit 110 Prozent. Zweierlei geht nicht.“ Die Trennung der Aufgaben ist kein Rückzug, sondern ein Kalkül: Rhynern will Profi-Strukturen auf Amateurniveau etablieren, bevor der DFB die Regionalliga-Tür aufstößt.

Stiepermans Erfolgsrezept beginnt nicht mit Taktikbrettern, sondern mit Menschenkenntnis. „Erst musste ich spüren, ob die Chemie stimmt“, erklärt er. Die Antwort lieferte ein Rundgang durch die neue Akademie: Trainingslounge, Performance-Center, Analysekabine. „Wenn du hier reinkommst, denkst du nicht an Kreisliga, sondern an Leistungszentrum. Das hat mich angezogen wie ein Magnet.“

Videoanalyse statt sonderurlaub

Videoanalyse statt sonderurlaub

Bereits jetzt sitzt Stiepermann abends vor dem Bildschirm, scannt jedes Rhyner-Training, notiert Laufwege, Kommunikation, Einstellung. „Ich greife nicht ein, ich sammle“, sagt er. Der Grund: Er will wissen, welche Spieler auch in der Regionalliga mit Tempo 160 mithalten können. Denn der Unterschied liegt nicht im Trick, sondern im Tank. „Einzelkönner gibt’s genug. Aber wer zweimal 45 Minhen Vollgas gibt, ohne dass der Coach pfeift, der wird entscheidend“, betont er.

Die Kaderplanung folgt zwei Excel-Listen: Szenario A – Oberliga Westfalen, Szenario B – Regionalliga West. David Schmidt nennt Zahlen: „Vier Fünftel des aktuellen Kaders können wir behalten, egal wo wir landen.“ Zwei, maximal drei Neuzugänge sollen dazukommen. Insider tuscheln über ein Trio von Stiepermanns Ex-Klub ASC 09 Dortmund, doch Schmidt verrät nur: „Es muss passen wie ein Maßanzug – für den Verein und für den Spieler.“

Elversberg und verl als blaupause

Elversberg und verl als blaupause

Vorbilder? SV Elversberg, damals noch ein Dorfklub mit Hangar-Tribüne, heute Drittliga-Stabilist. SC Verl, der mit Studenten und Vertragslosen die 3. Liga eroberte. „Die haben nicht gehamstert, sondern geformt“, sagt Stiepermann. Für ihn zählt ein klares Raster: maximal fünf Grundprinzipien, darunter Pressing- und Umschalt-Muster, dafür keine starre System-Nummer. „Wenn meine Sechser erkennen, wann sie das Zentrum verlassen müssen, brauche ich keine 3-5-2-Folie.“

Seine Coaching-DNA prägten zwei Typen: Jürgen Klopp, der jeden Hobbymann beim Namen rief, und Daniel Farke, der ihm in Norwich erklärte, wie man mit begrenztem Etat Spieler verkörpert. „Erfolg beginnt in der Kabine“, zitiert Stiepermann seinen Mentor. „Wenn der Charakter stimmt, folgt der Spielplan von selbst.“

Abschied mit fragezeichen, anfang mit ausrufezeichen

Abschied mit fragezeichen, anfang mit ausrufezeichen

Der vorzeitige Abgang beim ASC 09 Dortmund nagelt ihm noch Fragen ans Bein. Er schweigt zu Details, nur so viel: „Es war emotional. Die Gründe bleiben intern.“ Privat war die Entscheidung für Rhynern leicht: Familie in Dortmund, kurze Fahrt, kleine Tochter sieht Papa öfter. Und die Fußballlehrer-Lizenz? Die kann er künftig zwischen Trainingseinheit und Videoanalyse absolvieren, ohne Umzugskarton.

Der Countdown läuft. Noch 90 Minuten Oberliga-Alltag, dann will Stiepermann den Schalter umlegen. „Wenn du dich auf diesem Level beweihrst, bekommst du Rückenwind, den man in der Regionalliga braucht.“ Die Liga drückt, der Klub baut, der Coach brennt. Die Message ist klar: Wer jetzt aufspringt, erlebt keinen kleinen Schritt, sondern einen großen Sprung – und vielleicht schon bald den Aufstieg.