Steinhauser steht vor höllenritt in nizza – 19 sekunden entscheiden über traumpodest
Georg Steinhauser tritt am Sonntag beim Paris–Nizza in Nizza nicht nur im weißen Trikot des besten Nachwuchsfahrers an – er spielt mit dem Podest der Klassementfavoriten. 19 Sekunden Vorsprung auf Kévin Vauquelin. Drei First-Category-Anstiege. Und ein Wetter, das selbst Routiniers frieren lässt.
Die verkürzte königsetappe wird zur falle
Statt ursprünglich 170 km reichen 112, aber die Reduktion täuscht. Mit Col de la Porte (6,9 km/7 %), Côte de Châteauneuf-Villevielle (6,7 km/6,4 %) und Côte du Linguador (3,3 km/8,2 %) haben die Organisatoren eine Schleife gezeichnet, die jeden Quadratzentimeter Asphalt in saure Beine verwandelt. Ineos-Grenadiers kündigt Dauerdruck an. „Wir werden das Tempo so früh wie möglich aufreißen“, sagte Sports Director Xabier Zandio bereits am Samstagabend.
Steinhauser kennt die Rechnung: Vauquelin gilt als explosiver Kletterer, Martínez schwächelte am Samstag sichtbar. Der Allgäuer hingegen fuhr sich am Mittwoch in Uchon mit mutigem Solo aus der Verfolgergruppe heraus die nötigen Sekunden. Sein Vorteil: Er kann abwarten. Sein Nachteil: Er muss abwarten.

Team ef setzt auf lamperti, nicht auf schutz
Die Pink-Truppe wird nicht mit fünf Mann um Steinhauser kreisen. Grünes Licht für Sprinter Luke Lamperti, der auf der zugeschnittenen Etappe eine Bühne für seinen ersten WorldTour-Sieg wittert. „Wir wollten unbedingt fahren“, bestätigte Steinhauser der Entscheidung, die Etappe nicht abzusagen. „Die Straßen waren frei, der Schnee weg – okay, es war kalt, aber kein Glatteis.“
Das bedeutet: Steinhauser dürfte früher oder später allein liegen, wenn Ineos das Feld zerfetzt. Seine einzige echte Hilfe dürfte sein älterer Bruder und Trainingspartner Tobias sein – per Funk. „Er schickt mir heute Nacht die genauen Winddaten“, verrät Georg. Kleinigkeit, große Wirkung.

Papa tobias, der mythos und der druck
Der Name Steinhauser ist kein Zufall. Papa Tobias fuhr 1996 als Hilfsträger für Jan Ullrich die Tour, heute leitet er den Radsport-Lehrgang in Oberallgäu. „Mein Vater sagt, Druck muss man sich selbst machen“, lacht Georg. „Diese 19 Sekunden sind mein Druck.“
Statistisch gesehen liegt kein Deutscher seit Florian Lipowitz 2025 wieder auf dem Podium von Paris–Nizza. Lipowitz holte sich Rang zwei, Steinhauser könnte Rang drei oder sogar zwei erreichen. Die Wetterkarte zeigt 6 Grad und störrischen Westwind – perfekt für Angriffe auf dem Linguador, wo die Strecke vor dem Stadion von Nizza noch einmal steil wird.
Der Countdown läuft: 14:50 Uhr Start, voraussichtlich 17:03 Uhr Sprint auf der Promenade. Wenn Steinhauser dort noch im weißen und möglicherweise auch im gelben Trikot steht, wäre das mehr als ein Etappenerfolg – es wäre die erste deutsche Podest-Doppellage seit 1996. Die 19 Sekunden? Die kann man in Nizza verspielen – oder auch verteidigen. Steinhauser wird sich für Letzteres entscheiden müssen, sonst bleibt nur der kalte Trost der Côte d’Azur.
