Stadionverbot statt gefängnis: rapid-austria-krawalle enden mit 150-euro-deal

Der erste Schlag ins Kontor war ein 48-Jähriger mit 26 Jahren Dienst als Rapid-Fanbeauftragter. Er bekam die erste Diversion, zahlte 150 Euro und darf zwei Jahre lang kein Bundesliga-Spiel mehr sehen – nicht einmal im Fernsehen, denn das Stadionverbot gilt österreichweit, inklusive Freundschaftsspielen. Die Bilder vom 22. September 2024, als das 343. Wiener Derby in ein „quasi kriegsähnliches Szenario“ (Staatsanwältin Kristina Jahn) kippte, bekommen so ein juristisches Nachspiel, das überraschend harmlos wirkt.

„Ich hab immer deeskalierend eingegriffen“ – und schlug mit der fahnenstange zu

Der Ex-Fanbeauftragte erklärte, er habe „so etwas“ eigentlich verhindern wollen. Dann riss er eine Eckfahnenstange aus dem Boden und schlug auf Menschen ein. Sein Verteidiger Werner Tomanek kündigte an: „In Zukunft geht er nur noch zum Curling.“ Die Ironie trägt: Der Mann gilt weiter als unbescholten, wenn er 50 Euro an Rapid und 50 Euro an eine verletzte Beamtin überweist.

Bei 22 Angeklagten sieht es danach aus, als würden die meisten diesen Deal bekommen. Vier haben Vorstrafen, der Rest ist sauber – zumindest im Blatt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen schwere gemeinschaftliche Gewalt und Widerstand gegen die Staatsgewalt vor. Doch die Taktik ist klar: Schuldeingeständnis plus Geldstrafe gleich cleanes Führungszeugnis. Die Kosten: 150 Euro pro Kopf plus symbolische 50 Euro an den Verein und an Verletzte.

Urinfassade und gebrochene kiefer: die rechnung bleibt offen

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Die Physiotherapie der verletzten Polizistin mit Verbrennungen dauert an, der Kollege mit Tinnitus wird die Geräusche nie wieder vergessen. Ein Fan schluckt noch heute durch eine Platte im linken Gesicht – Kieferhöhle, Augenhöhle, Jochbein, alles gebrochen. Rapid fordert 1.000 Euro Schmerzensgeld von 21 Angeklagten, doch das Geld kommt wohl zu spät. Die Vereine selbst zahlten bereits 150.000 Euro Bußgeld an die Liga und verzichten fortan auf Auswärtsfans in den nächsten vier Derbys.

Die nächsten Termine laufen bis 21. April. Wer mitmacht, spart sich ein Strafregister-Eintrag. Wer nicht mitmacht, landet vor dem Geschworenen. Die Botschaft: Wer sich prügeln will, sollte vorher sauber sein – und genug Kleingeld einstecken. Die Kurve ist kein Schlachtfeld, sondern ein Marktplatz. Und der Preis für ein zweijähriges Stadionverbot liegt bei 250 Euro. Die Frage ist nicht, wie viele Deals noch folgen, sondern wie viele Deals nötig sind, bis das nächste Derby wieder ohne Helm und Helmkeule auskommt.