Stach ist zurück: nagelsmann holt vergessenen mittelfeldspieler nach 1.366 tagen

Anton Stach schluckte, als sein Handy vibrierte. Angeblich war er gerade dabei, den Abwasch zu machen. 1.366 Tage nach seinem letzten Länderspiel klingelt Julian Nagelmann und sagt: „Du bist dabei.“ Der Rest ist ein Grinsen, das ihm drei Tage später noch immer nicht vergangen ist.

Warum jetzt? weil leeds plötzlich den besten sechser der championship hat

Stach liefert seit Januar 2025 in Leeds Zahlen ab, die sich sehen lassen: 76 % gewonnene Zweikämpfe, 11 Balleroberungen pro 90 Minuten, keine einzige Niederlage, wenn er startet. Die Elland Road liebt ihn längst, weil er das Tempo diktiert, ohne je den Stecker zu ziehen. Genau diese Ruhe fehlte der DFB-Elf in den letzten zwei Länderspielfenstern.

„Ich habe nicht gebettelt, ich habe gespielt“, sagt Stach knapp. Das klingt wie ein Seitenhieb gegen jene, die sich in Interviews eher über ihre Nicht-Nominierung beklagten. Bei ihm war stets die Rede von „Mangel an Robustheit“, „fehlender Ballgewinnquote“ oder „nicht genügend Torgefahr“. Nagelsmann selbst hatte ihn im kicker noch im Februar als „nicht enorm kopfballstark“ abqualifiziert. Jetzt der Rückzieher: „Er ist genau der Typ, den wir brauchen, um den Gegner zu untersuchen.“

Vater matthias drückt auf die tube – und auf die bremse

Vater matthias drückt auf die tube – und auf die bremse

Matthias Stach, Sportkommentator bei Sky, kennt das Geschäft. Als Sohn Anton ihm die Nachricht schickte, antwortete er innerhalb von Sekunden: „Glückwunsch. Jetzt haust du richtig hin.“ Kein Kuschelpapa, kein Selbstzweckjubel. Die Familie Stach versteht das Spiel: Erst die Leistung, dann die Story.

Dabei war die Karriere des 27-Jährigen alles andere als linear. Von Mainz über Hoffenheim nach Leeds – jedes Mal musste er sich neu erfinden. In Mainz lernte er, wie man gegen den Ball arbeitet; in Hoffenheim, wie man mit Ball Räume öffnet; in Leeds jetzt, wie man beides unter Höchstdruck kombiniert. Daniel Farke nennt ihn „Metronom mit Kante“. Das ist keine Floskel, sondern eine Kampfansage an die Premier League.

Was stach wirklich bringt: frische beine, klare anweisungen

Was stach wirklich bringt: frische beine, klare anweisungen

Die Schweiz und Ghana werden testen, wie viel Dampf der neue Mann hat. Sein Vorteil: Er kennt sich mit englischer Intensität aus. 46 Pflichtspiele in neun Monaten haben seine Robustheit geschärft. Sein Nachteil: Er kennt sich mit deutscher Tiki-Taka-Nullachtfuffzehn-Fussball nicht mehr aus. „Ich muss umdenken“, sagt er. „In England wird jeder Meter erkämpft. Hier wird er teilweise geschenkt.“

Nagelsmann plant, ihn gegen die Schweiz in der Raute zu testen, neben Andrich oder Can. Die Ansprache ist klar: „Fang den Ball, spiel ihn nach vorne, wiederhole das 80 Mal.“ Keine Kunst, sondern Handwerk. Genau das, was in Stuttgart gegen Japan und in Wien gegen Österreich fehlte.

Die stach-regel: wer lange weg ist, maut lauter auf

Seine Rückkehr wirft ein Schlaglicht auf das Talent-Recycling der DFB-Elf. Während andere Nationen auf U-18-Potenzial setzen, gräbt Nagelsmann in der Schublade der vergessenen Gesichter. Stach ist das dritte Beispiel nach Henrichs und Beier, die nach Jahren der Abwesenheit zurückkehren. Die Devise lautet: Leistung vor Image.

Für Stach beginnt jetzt der harte Teil. Zwei Spiele, maximal 180 Minuten, um einen Platz im Kader für die WM-Qualifikation zu sichern. Er weiß: „Wenn ich jetzt patze, dauert es wieder vier Jahre.“ Die Familie wird vor dem Fernseher sitzen, Vater Matthias mit Mikrofon, Mutter mit Schutzengel-Blick. Und ganz Leeds wird an diesem Abend auf deutsche Zeit umstellen.

Am 23. März in Frankfurt steht er wieder im Stadion, in dem er 2022 gegen Italien seine letzten Sekunden im Trikot hatte. Diesmal will er bleiben. Keine Träne, keine Story, nur ein Satz, der als Tattoo taugt: „Ich war weg, aber nie weg vom Fenster.“