St. pauli stemmt sich mit punkte-sprint aus dem keller – blessin zählt runter
Millerntor. Kein Jubel, nur eiserne Pflicht. Der FC St. Pauli hat sich mit dem 0:0 gegen Eintracht Frankfurt weiter aus dem Abstiegsstrudel gestemmt, doch Alexander Blessin will nichts von Entwarnung wissen. Neun Endspiele bleiben, die Tabelle klebt wie Kaugummi an seinen Stiefeln.
Die Zahlen lügen nicht: Zehn Punkte aus fünf Spielen, vier Zähler Vorsprung auf Platz 17. Doch die Liga ist ein Schlingerkurs. Werder gewinnt in Stuttgart, Gladbach siegt in Augsburg – und schon rückt der graue Vorhang wieder vor. „Wir punkten, die anderen auch“, sagt Blessin mit der Stimme eines Mannes, der weiß, dass eine einzige Niederlage alles zerreißt.

Vasilj hadert mit dem pfostendrama
Nikola Vasilj stemmte sich zweimal in den Schneidersitz, um den Ball aus dem Eck zu kratzen. Dann sah er, wie Becker und Smith das Leder ans Aluminium nagelten. „Wir hätten sogar gewinnen können“, murrt der Keeper, dessen Handschuhe in den letzten Wochen schon fast zum Kultobjekt avancierten. „Aber ein Punkt ist besser als gar nichts in dieser verrückten Saison.“
Am Samstag geht’s nach Gladbach. Borussia hat sich ebenfalls vom Tabellenende weggeschält, die Fohlen wollen nun Europa statt Abstiegsendspiele. Für St. Pauli wird es eine weitere Probe aufs Exempel. „Jedes Spiel ist ein Finale“, betont Vasilj. Und Finals gewinnt man nur, wenn man bis zur Neunundneunzigsten atemlos bleibt.
Blessin hat seinen Spielern ein Mantra eingetrichtert: „Erst wenn der Schiri im Mai pfeift, darfst du aufatmen.“ Die Rechnung ist simpel. Neun Spiele, neun Mal Vollgas. Wer denkt, dass der Klassenerhalt jetzt gesichert ist, hat den Millerntor-Kiez nie verstanden.
