Sprungers letzter tanz: fribourg und davos liefern sich ein finale für die ewigkeit
Julien Sprunger hat die Nacht nicht geschlafen. Keine Angst, keine Nervosität – nur dieses pulsierende Adrenalin, das ihm seit Wochen durch die Adern jagt. Am Samstag trägt er das Trikot von HC Fribourg-Gottéron zum letzten Mal in einem Final. Gegenüber steht HC Davos, das einzige Team, das in dieser Saison konstant auf Augenhöhe war. Assistenztrainer Lars Leuenberger sagt es so: „Das hier ist kein Hollywood-Script. Das ist Eishockey pur. Und wir wollen, dass Julien die letzte Szene schreibt.“
Die saanestädter kommen verletzt, aber hungrig
Corvi und Nussbaumer fehlen, das ist kein Geheimnis. Doch wer denkt, Davos käme geschwächt in die Patinoire de Broye, irrt. Die Davoser Transition ist eine Waffe, die selbst die besten Defensivreihen entnervt. Leuenberger warnt: „Die neutralisieren nicht nur, die überspielen dich. Ein Pass, zwei Striche auf dem Eis – und plötzlich steht da ein Mann vorm Tor.“
Fribourg antwortet mit Tiefe. Jeremy Gerber, bisher eher Joker, schoss zweimal in zwei Spielen – und traf. „Secondary Scoring“ nennt das Leuenberger. „Wenn deine Top-Line steht, brauchst du den Typen, der in der dritten Reihe die Scheibe aus dem Gewühl zieht und eiskalt zieht.“

Das powerplay-problem und die rückkehr des königs
Die Statistik ist gnadenlos: Fribourg traf in 18 Überzahl-Situationen nur dreimal. Jetzt ist Marcus Sörensen zurück. Der Schwede trainierte gestern mit Wallmark eine neue Variante: Halbwall-Pass, One-Timer, Nachschuss. Leuenberger zuckt mit den Schultern: „Wir wissen, dass es bisher mies war. Aber wenn Sörensen die Scheibe so schnell wie gestern abzieht, brauchen wir keine 20 Sekunden Kombination. Ein Schuss, ein Tor, fertig.“
Die Stimmung im Block steht schon jetzt unter Strom. Sprunger selbst sagt nur: „Ich will kein Denkmal, ich will den Pokal.“ Und die Fans? Die haben schon jetzt die alten Spruchbänder aus dem Keller geholt: „Füreinander, miteinander, bis zum Ende.“
Spiel eins ist ausverkauft, die Tickets für Spiel sieben gibt es schon auf dem Schwarzmarkt für 400 Franken. Leuenberger lacht trocken: „Wenn wir bis Spiel sieben brauchen, haben wir vielleicht schon verloren.“ Dann wird er ernst. „Aber wenn wir gewinnen, dann nicht wegen Julien. Dann, weil wir das bessere Team sind. Punkt.“
