Sportvereine am limit: generation gold ohne chance?
Chaos in der deutschen
Sportlandschaft: Während die Erfolge unserer Nationalteams – vom WM-Gold 2023 im Basketball bis zum EM-Triumph 2025 – Begeisterungswellen auslösen, stehen die Vereine in Ballungsräumen vor dem Kollaps. Kinder, die wie Dennis Schröder und die Wagner-Brüder werden wollen, müssen auf Wartelisten schwitzen oder bleiben gar ganz außen vor. Ein Alarmsignal für den deutschen Breitensport.Die hallen sind voll, die plätze rar
In Köln, wo der MTV 1850 mit über 6.000 Mitgliedern einer der größten Sportvereine Deutschlands ist, ist die Lage exemplarisch. „In dieser Gruppe besteht ein Aufnahmestopp!“, so die gnadenlose Botschaft auf den Webseiten des Vereins. Viele Trainer schützen sich selbst vor verzweifelten Eltern, die ihren Kindern unbedingt einen Platz verschaffen wollen. Geschäftsführer Holger Dahlke spricht von einer „starken Nachfrage, die ständig auf ein limitiertes Angebot trifft.“ Hunderte Absagen monatlich sind die bittere Realität.
Timo Buder, Trainer der U10- und U12-Mannschaften des MTV Köln, weiß das aus eigener Erfahrung. Er trainiert auch seine beiden Söhne (2016 und 2017 geboren) und wird regelmäßig von Schulfreunden um ein Probetraining gebeten. „Da muss ich meist ablehnen. Das Training würde mit noch mehr Kindern in unserer kleinen Halle nicht mehr funktionieren.“ Seine Mannschaft, bestehend aus 25 Kindern, ist hungrig nach Wettkampf – und es findet sich kein Platz mehr für Neuzugänge.
Das Problem betrifft nicht nur den Basketball. Joanne Bittermann, Leiterin des Kinderturnens beim MTV, berichtet von ähnlichen Zuständen: „Wenn ein neuer Kurs ausgeschrieben wird, ist er innerhalb von Minuten ausgebucht.“ Wer zu spät kommt, landet auf einer Warteliste, die jedoch von Abwesenheiten belegt wird, um anderen Kindern eine Chance zu geben. Es ist ein Teufelskreis.

Marode infrastruktur und fehlende trainer
Die Ursachen sind vielfältig: Verrottende Sportanlagen aus den 70er Jahren, fehlende Nutzungszeiten und ein dramatischer Mangel an qualifizierten Übungsleitern. Die Ganztagsschulen reduzieren zudem die Hallenkapazitäten für Vereine. Der Sparzwang hat im Sport tiefe Wunden hinterlassen, vom Schulsport bis zur Leistungsspitze. Professor Ansgar Thiel von der Deutschen Sporthochschule Köln fasst es zusammen: „Das Versprechen niederschwelliger Teilhabe für alle Kinder unabhängig vom Einkommen wird zunehmend schwieriger einzulösen.“
Die Kölner Stadtverwaltung hat vier Hallen gesperrt, und die Vereine fahren ihre Kinder quer durch die Stadt, um überhaupt einen Trainingsplatz zu finden. Andererseits entstehen private Sportanbieter, die vor allem besser gestellte Familien ansprechen. Die Hoffnung ruht auf Olympia.
Die Allianz Kölner Sport, an der sich der MTV beteiligt hat, setzt auf eine Investition in die Sportinfrastruktur im Zuge der Bewerbung um die Olympischen Spiele. „Das ist zumindest eine leise Hoffnung, dass für Olympia auch Bundesmittel fließen – denn die Kommune ist überfordert“, so Dahlke. Ob diese Hoffnung ausreicht, um die deutsche Sportlandschaft zu retten, bleibt abzuwarten. Die Generation Gold wartet – und hofft, dass nicht die Infrastruktur sie im Stich lässt.
