Sporthilfe zieht notbremse: zentral oder zersplitterung?
Die Stiftung Deutsche Sporthilfe schaltet auf Konfrontation. Wenige Tage vor der parlamentarischen Zielgerade des neuen Sportfördergesetzes warnt sie vor einem „Systembruch“, der Spitzensportler ins administratives Chaos stürzen könnte. Ihre Botschaft an Berlin: Lässt die Politik die geplante Spitzensport-Agentur auch nur einen Finger in die individuelle Athletenförderung legen, drohen Doppelstrukturen, burokratische Verzögerungen und letztlich leere Podestplätze.
Ein schnitt durchs herz der förderlandschaft
Der Vorwurf kommt nicht von irgendwoher. Max Hartung, Vorstandssprecher der Sporthilfe und selbst Olympionike, legt es schwarz auf weiß: „Die bislang im Gesetz vorgesehene Aufgabenverteilung birgt die Gefahr, parallele Strukturen aufzubauen.“ Dahinter steckt die Angst, dass die neue Bundesagentur künftig Stipendien, Trainingscamps und Materialbudgets kontrolliert – bislang Kernkompetenz der Sporthilfe. Eine halbe Milliarde Euro fließen pro Zyklus direkt an Athletinnen und Athleten; wer diese Kanäle neu verzweigt, riskiert, dass das Geld nicht beim Sprinter landet, sondern im Behördendschungel.
Die Sporthilfe präsentiert sich als Hüterin jahrzehntelanger Erfahrung. Ihre Netzwerke reichen von Schulkooperationen bis zu Mental-Coaches, ihre Datenbank kennt die Trainingsnachweise von Lena Hentschel ebenso wie die Wettkampfkalender von Ole Braunschweig. „Wir sitzen im Flugzeug, die Politik will das Seil zersägen, während wir starten sollen“, kommentiert Hartung trocken.

Der countdown läuft
Am Mittwoch trifft sich der Ausschuss für Sport und Ehrenamt, um letzte Änderungsanträge zu verhandeln. Das Gesetzespaket der CDU/CSU-SPD-Koalition soll bis Mitte Juli stehen – eine Phase, in der jeder Satz über künftige Medaillen entscheidet. Die Bundesregierung argumentiert, dass erstmals eine gesetzliche Grundlage für den Spitzensport nötig sei, um internationale Konkurrenzfähigkeit zu sichern. Doch Hartung kontert: „Wir brauchen keine neuen Zuständigkeiten – sondern die Bündelung bei der Sporthilfe.“
Intern rechnet man mit einer Entscheidung bis spätestens Freitag. Dann steht fest, ob die Sporthilfe ihre Monopolstellung behält oder ob künftig zwei Stühle an einem Tisch stehen – und der Athlet zwischen ihnen.
Die Wette gilt: Wer die Schnittstellen multipliziert, multipliziert auch die Chancen, dass am Ende niemand mehr zuständig ist.
