Zweite liga: die defensive entscheidet – nicht der torjäger!

Die ewige Debatte im deutschen Fußball, ob die Kunst des Toresschlussens oder die Brillanz des Torjägers den Ausschlag gibt, findet in der zweiten Liga eine überraschende Antwort. Eine Analyse der letzten fünfzehn Spielzeiten offenbart: Wer hier aufsteigen will, braucht vor allem eine stabile Abwehr, nicht unbedingt den besten Stürmer der Liga.

Die zahlen lügen nicht: zamora schlägt pichichi

Die zahlen lügen nicht: zamora schlägt pichichi

Von den 45 Teams, die in den Jahren von 2010/11 bis 2024/25 den Sprung in die Bundesliga schafften, bauten elf auf die Fangsicherheit ihres Keepers und die daraus resultierende geringe Anzahl von Gegentoren. Nur sieben Mannschaften konnten sich auf ihren Torjäger verlassen. Das ist ein deutlicher Unterschied, der die Natur einer langen, anstrengenden und extrem ausgeglichenen Saison widerspiegelt, in der Konstanz das A und O ist. Es gilt: Eine solide Defensive ist der Schlüssel zum Erfolg, besonders im direkten Aufstiegskampf.

Die Ausnahme bestätigt die Regel: Während Valladolid und Espanyol in der Vergangenheit über die Relegation aufstiegen, hatten sie mit Jaime Mata und Paco Alcácer zwar die besten Torschützen, doch letztendlich war es die defensive Stabilität, die den Unterschied ausmachte. Die 42 Spieltage zeigen deutlich: Zuverlässigkeit in der Hintermannschaft zahlt sich aus.

Doch Vorsicht: Auch die Kombination aus beidem kann Wunder wirken. Espanyol in der Saison 2020/21 mit Raúl de Tomás als Pichichi und Diego López als Zamora, oder Granada in der Saison 2022/23 mit Uzuni und Raúl Fernández – diese Mannschaften demonstrierten, dass eine harmonische Mischung aus Offensivgeist und defensiver Sicherheit zum dominanten Aufstieg führen kann.

Es gab natürlich auch Ausnahmen. In drei Saisons (2010/11, 2015/16 und 2019/20) stiegen keine Teams auf, die sowohl den Zamora als auch den Pichichi stellten. Das unterstreicht eine grundlegende Wahrheit: Das Kollektiv ist stärker als einzelne Stars.

Die UD Almería, ein Paradebeispiel für die Trugschlüsse der Torjäger-Obsession, konnte in vier seiner bisherigen Spielzeiten zwar den Pichichi stellen – darunter Ulloa, Álvaro Giménez und Luis Suárez – stieg aber nur einmal auf. Nur Charles in der Saison 2012/13 schaffte den Durchbruch, als er in der regulären Saison 27 Tore erzielte und in der Relegation weitere fünf hinzufügte.

Die aktuelle Saison könnte diese Tendenz verändern. Sergio Arribas steht bei Almería derzeit bei 21 Toren, doch ob seine Treffer ausreichen, um den Aufstieg zu sichern, bleibt abzuwarten. Angesichts der Tatsache, dass Almería das achte am meisten Gegentore kassierende Team der Liga ist, während der Tabellenführer, Racing Santander, zu den vier besten Defensiven gehört, zeigt es, dass die Balance entscheidend ist.

Insgesamt betrachtet ist die zweite Liga ein Beweis dafür, dass die Kunst des Toresschlussens in einer hart umkämpften Liga oft den entscheidenden Vorteil bietet. Wer weniger Gegentore kassiert, kommt dem Ziel näher. Denn am Ende entscheidet nicht der beste Torjäger, sondern der Zamora über Erfolg und Misserfolg.