Zverev will sinner endlich stoppen – nach sechs pleiten in serie
Mitternacht in Miami. Alexander Zverev tritt wieder an, um seinen persönlichen Schatten zu verscheuchen. Seit dem 5. September 2023, dem Tag seiner letzten Niederlage gegen Jannik Sinner in New York, wartet er auf Revanche. Sechs Mal haben sie sich seitdem gemessen, sechs Mal schlug der Südtiroler zu – zweimal sogar ohne Satzverlust. Nun, in der Hitze von Florida, will der Deutsche endlich die Serie reißen.
Die taktik: er muss das tempo diktieren
Zverev weiß, dass er nicht warten darf. „Sinner nagelt dich hinter die Grundlinie und gibt keinen Millimeter“, sagte er nach dem Viertelfinale gegen Cerundolo, das er in 67 Minuten mit 6:1, 6:2 abräumte. Die Zahlen sprechen für sich: 12 Asse, 83 % Punkte nach dem ersten Aufschlag. Doch das reicht nicht. Er muss früh attackieren, muss ans Netz, muss dem Weltranglistenersten die Rückhand-Diagonale entreißen. Dort, auf der Vorhand-Seite, ist Sinner einfach zu gut.
Die Mentalität ist neu. Früher ließ sich Zverev in Big-Match-Situationen treiben, wartete auf Fehler. Jetzt predigt er Initiative. „Ich will die Punkte bestimmen, auch wenn es gegen Jannik verdammt schwer wird.“ Das klingt nicht nach Hoffnung, sondern nach Plan. Und er hat nichts mehr zu verlieren.

Die geschichte: ein kopf-an-kopf-rennen, das zum albtraum wurde
11 Duelle, 7:4 für Sinner. Doch die Bilanz trügt. Nach dem 4:1-Sprint für Zverev in den ersten fünf Begegnungen drehte der Italiener den Spieß um. Seit dem US-Open-Achtelfinale 2021 hat er jeden Ballwechsel dominiert. Die Finalniederlage in Melbourne 2025 schmerzt am meisten: Zverev, nach dem Match in Tränen aufgelöst, Sinner, der ihn live vor 15.000 Zuschauern tröstete. Ein Bild, das in Saschas Kopf nicht mehr verschwindet.
Miami ist seine dritte Halbzeit in Florida, Sinner steht bereits zum vierten Mal in vier Turnierteilnahmen in der Vorschlussrunde – Rekordjagd pur. Der Sunshine Double, also der Sieg in Indian Wells und Miami, ist für Sinner nur noch zwei Matches entfernt. Zuletzt gelang das 2017 Roger Federer. Zverev aber schwört, dass die 6:2, 6:4-Klatsche von Kalifornien kein Lehrstück war, sondern ein Ausrutscher. „Ich habe dort schlecht serviert. Das wird heute nicht passieren.“
Die Uhr tickt. Kurz nach Mitternacht geht’s auf Court. Für Zverev ist es die achte Masters-1000-Semifinale, für Sinner die vierte in Serie. Einer wird seine Erzählung schreiben, der andere eine neue Niederlage hinnehmen. In Miami gibt es kein Morgen, nur diesen Moment – und vielleicht das Ende einer Serie, die längst zur Obsession wurde.
