Zverev rettet sich in monte carlo mit herz statt form
Alexander Zverev schrie sich selbst an, schlug sich auf die Oberschenkel und war am Ende doch der Sieger: 4:6, 6:4, 7:5 gegen Christian Garín – ein Auftakt, der kaum kippender hätte sein können. Die Uhr im Fürstentum zeigte genau 2:50 Stunden, als der Deutsche den Matchball verwandelte, doch die Zahlen sagen nur die Hälfte.
Garin spielte wie der favorit, zverev wie der jäger
Der Chilene, Nummer 109 der Welt und noch am Vortag in der Quali unterwegs, führte im dritten Satz bereits mit 4:0 und zwei Breaks. Er servierte sicher, drückte mit hohem Spin auf Zverevs Rückhand und ließ den Weltranglisten-Dritten wie einen Rucksack voll Steine aussehen. Kein Timing, keine Länge, keine Idee – so wirkte der Hamburger weite Strecken.
Doch dann kam jene Phase, die Trainer Sergi Bruguera schon in Indian Wells und Miami anmahnte: Kampf statt Klang. Bei 2:5 holte Zverev fünf Spiele in Serie, riss sich den fünften Satzball mit einem Returnwinner herunter und brüllte sich selbst an – nicht aus Erleichterung, sondern aus Wut über die Vorstellung.

München als nächste feuertaufe
Die Statistik? 42 Fehler, nur acht Asse, 37 % gewonnene Punkte auf der zweiten Aufschlag – alles Werte, die normalerweise für eine Runde eins bedeuten. Aber Monte Carlo ist kein normales Turnier. Es ist Zverevs Wahlheimat, sein Trainingslager, sein zweites Wohnzimmer. Und genau deshalb schmeckt der Sieg trotzdem wie ein doppelter Espresso: bitter, aber wachmachend.
Am Donnerstag wartet Zizou Bergs, der Belgier, der Andrey Rublev mit 6:4, 6:1 vom Platz fegte. Ein Mann in Form, ein Mann ohne Druck. Für Zverev beginnt dort, wo heute aufgehört wurde: mit dem Rücken zur Wand und der Saison auf Sand noch vor sich. München folgt in sieben Tagen, Paris in fünf Wochen. Die Uhr tickt – aber sie tickt lauter für die Konkurrenz.
