Zidane rückt an: frankreichs maskottchen kehrt als nationaltrainer zurück

Der Mythos wird Realität. Zinédine Zidane, der Mann, der 1998 mit zwei Kopfball-Toren Frankreich zum Weltmeister machte, steht vor der Rückkehr auf die Bank – diesmal als Chefcoach der Équipe Tricolore. Nach der WM am 19. Juli übernimmt er laut übereinstimmenden Quellen das Zepter von Didier Deschamps.

Diallos augenzwinkern: „das leben schreibt drehbücher“

Philippe Diallo, Präsident des FFF, ließ sich auf der FIFA-Gala in Paris nicht festnageln. „Ich weiß nichts, ihr werdet sehen, das Leben hält Überraschungen bereit“, scherzte er und schob ein „Rufen Sie nach der WM wieder an“ hinterher. Im Verband kursiert seit Monaten ein Datum: 20. Juli, der Tag nach dem Endspiel. Dann soll die Bombe platzen.

Zidane selbst machte im Oktober kein Geheimnis aus seinem Traum. „Ich will einmal Trainer Frankreichs werden“, sagte er der Equipe. Die Antwort folgt auf dem Fuß: ein Vertrag bis 2028, eine Schmerzgrenze von vier Millionen Euro brutto pro Jahr – weniger als bei Real, aber genug, um die Egos in Clairefontaine zu beruhigen.

Warum jetzt? die macht der leisen stimmen

Warum jetzt? die macht der leisen stimmen

Deschamps’ Kompass zeigt seit der bitteren Euro-2020-Pleite gegen die Schweiz leicht nach Süden. Intern monieren Verbandsvertreter, dass sein 4-2-3-1 zu vorhersehbar geworden sei. Die Youngster Mbappé, Tchouaméni, Camavinga verlangen nach einem Offensivplan, der nicht nur auf individuelle Klasse setzt. Zidane verkörpert genau diesen Kurs: Spielkontrolle, Dreierkette light, Rotation auf Augenhöhe.

Die Zahl, die Diallo nicht aussprechen will: 82 Prozent. So hoch ist ltzte IFOP-Umfrage die Zustimmung der Franzosen zu Zidane. Kein anderer Coach, nicht even Guardiola, erreicht in Paris derzeit Werte jenseits der 50.

Doch es gibt ein Problem. Zidane hat seit 2021 kein Spiel mehr betreut. Seine letzte Trainingseinheit datiert vom 26. Mai 2021, Abstellraum Valdebebas, Abschiedsreden vor der weißen Wand. Fünf Jahre später steigt er in ein Umfeld, das sich mit Daten, GPS-Gürteln und Videoanalyse überfrachtet hat. Ob seine bislang intuitive Arbeitsweise mit der modernen Maschine klarkommt, wird die erste Testrunde in September zeigen.

Deschamps’ letzte mission: gold als abflugticket

Deschamps’ letzte mission: gold als abflugticket

Für Deschamps bleibt nur der Gewinn der Heim-WM, will er mit erhobenem Haupt gehen. Sein Vertrag endet automatisch, wenn Frankreich vor dem Halbfinale scheitert. Die Spieler wissen Bescheid. „Wir wollen ihm den perfekten Abschied bescheren“, sagte Kapitän Mbappé nach dem 3:0 gegen Chile. Ironie des Fußballs: Um Zidane zu empfangen, muss die Mannschaft zuerst für Deschamps brennen.

Der Countdown läuft. In 113 Tagen erfährt Paris, ob Zizou an der Seitenlinie steht oder ob die Geschichte doch einen neuen Dreh nimmt. Bis dahin bleibt das offizielle Schweigen des Verbands ein Sound, der lauter ist jedes Pressekommuniqué. Denn in Frankreich wartet niemand auf ein Fax – alle warten auf Zizou.