Zdf verbannt dfb-frauen ins internet – skandal im wm-quali-kracher

Norwegen, 18 Uhr, WM-Quali, deutscher Klassiker – und kein Meter lineares TV. Das ZDF drückt die Nationalmannschaft der Frauen am Samstag in einen Browser-Fenster-Stream, während Wintersport und Paralympics die große Mattscheibe blockieren. Wer Stavanger live sehen will, muss auf sportstudio.de oder das ZDF-Streaming-Portal ausweichen.

Warum die nummer eins der weltrangliste hinten ansteht

Warum die nummer eins der weltrangliste hinten ansteht

Thomas Hagedorn, Pressesprecher des Senders, nennt das Programm von 8.30 bis 19.00 Uhr „ereignisreich“. Paralympics, Ski-Weltcup, Eisschnelllauf – alles schöne Traditionsbaustellen, aber kein Argument, das Fans der DFB-Frauen akzeptieren. Die Empörung ist Programm: Erst im April, wenn Österreich in Nürnberg antritt, kehrt die Mannschaft ins Hauptprogramm zurück. Bis dahin: Laptop aufklappen, Akku prüfen, Buffering erdulden.

Die Entscheidung trifft vor allem jene, die den Triumph von Wembley 2022 noch in den Knochen tragen – und nun erfahren, dass selbst ein Prestigeduell gegen die Skandinavierinnen nicht mehr reicht, um die Programmchefetage zu rütteln. Dabei könnte die Partie die Vorentscheidung im Kampf um Brasilien 2027 liefern.

Skandinavische Verhältnisse sind ohnehin rau: Stavanger gehört zu jenen Stadien, in denen der Rasen schon im März winterlich knirschte. Die Norwegerinnen haben ihre Heimserie ausgebaut, die deutsche Elf aber unter Trainer Horst Hrubesch eine neue Unbesiegbarkeit entwickelt. Fakten, die normalerweise Redaktionen ins Studio holen – stattdessen droht den Spielerinnen eine Zuschauerzahl, die sich an DSL-Leitungen und Mobilfunkverträge koppelt.

Die Quote wird leiden, das Image auch. Denn Sponsoren rechnen mit Sichtbarkeit, und Verbände mit Reichweite. Die Botschaft des ZDF: Frauenfußball ist Streaming-Nische, solange nichts anderes läuft. Eine Ansage, die dem Deutschen Fußball-Bund die Argumente für bessere Sendeplätze versiegt – und den Gegnern in UEFA-Kreisen Munition liefert.

Am 14. April bekommt die Mannschaft dann wieder Prime Time. Bis dahin gilt: Wer nicht online ist, verpasst vielleicht den nächsten Schritt auf dem Weg zur Weltspitze. Die Technik mag zeitgemäß sein, die Wertschätzung wirkt zurückgeblieben. Und das in einer Zeit, in der selbst zweite Ligisten samstags alle Kameras auf sich ziehen.

Die Lösung liegt auf dem Tisch: Wer ernsthaft für Gleichberechtigung wirbt, muss sie auch im Programmschema sichtbar machen. Alles andere ist Sonntagsreden – übermittelt, ironiebedingt, per Stream.