Zagreb schlägt doppelt zu: pick-szeged-duo bringt champions-league-feuer nach kroatien
Die Nächste, die weg sind. Jovica Nikolic und Gleb Kalarash packen am Saisonende ihre Koffer in Szeged, doch diesmal bleibt die Bundesliga außen vor. Ihr Ziel: RK Zagreb – und damit ein Klub, der in den letzten Jahren zwar dominierte, aber in Europa den Anschluss verpasste.
Zwei verträge, ein plan: zagreb will wieder ganz oben mitreden
Nikolic, 24, Rechtsaußen mit Sprint-Schub, soll Luka Lovre Klarissa beerben. Der Serbe flog erst 2021 unter dem Radar von Vojvodina auf, debütierte als Youngster in der europäischen Königsdisziplin und landete danach in Wetzlar. Dort schraubte er sich in zwei Jahren auf 76 Treffer, bevor er nach Ungarn wechselte. Ein kurzer Abstecher nach Kuwait, dann der Ruf der Adria. „Ich will mit Zagreb nicht nur Pokale holen, ich will, dass Europa wieder Angst vor uns bekommt“, sagt er nach der Unterschrift bis 2026.
Kalarash, 35, ist das andere Extrem. Der russische Kreisläufer zählt zu jenen Urgesteinen, die jede Kabine mitnehmen können. Magdeburg, Balingen, Melsungen – seine deutsche Visitenkarte liest sich wie eine Handball-Wanderkarte. Dazu Skopje, Sankt Petersburg, Saporischschja. Nun also Zagreb. „Ich kenne die Halle in Kroatien. Die ist laut, heiß, unberechenbar. Genau deshalb bin ich hier“, sagt er und schmunzelt: „Ich bin nicht mehr der Jüngste, aber ich bringe Erfahrung für 60 Minuten Playoff-Handball mit.“

Champions league als magnet
Beide Spieler nennen dasselbe Stichwort: Champions League. Zagreb sicherte sich die Wildcard, obwohl die letzte Saison holprig war. Das Management um Präsident Zoran Gobac reagierte – mit einem Doppelschlag, der internationales Gewicht hat. Pick Szeged verliert damit zwei Leistungsträger, Zagreb gewinnt sofort Profil. Die Ablöse verbleibt im Vertraulichen, doch Insider sprechen von einer mittleren sechsstelligen Summe, inklusive Bonuszahlungen bei Titelgewinn.
Die Signale sind klar: Nach dem Vorrunden-Aus in der Königsklasse und dem Halbfinale in der SEHA-Liga will der Klub zurück in die Top-10 Europas. Trainer Slavko Goluža bekommt nun eine Mischung aus jugendlicher Dynamik und abgeklärter Robustheit. Nikolic liefert Tempo von außen, Kalarash blockiert die Mitte und öffnet den Rückraum mit Passen, die so präzise sind wie ein Schweizer Uhrwerk.

Warum das jetzt wichtig ist
Die Transferzeit im europäischen Handball verkürzt sich. Klubs wie Barcelona, Paris oder Kielce schließen Kader zwei Spielzeiten im Voraus ab. Wer spät plant, verliert. Zagreb handelt früh, nimmt Szeged die Köpfe weg und stärkt sich selbst. Die Konkurrenz in der Bundesliga beobachtet das mit Argusaugen: Wetzlar verlor schon Nikolic, Magdeburg könnte bei einem möglichen Achtelfinale auf Kalarash treffen – und weiß, was er draufhat.
Am 6. Juli startet das neue Team in die Vorbereitung. Dann wird in der Krešimir-Ćosić-Halle bereits geprobt, wie laut es sein kann, wenn zwei ehemalige Bundesliga-Profis den Ball in die Mitte stellen und Zagreb wieder an die Spitze Europas denkt. Die Fans sind bereit. Die Gegner auch. Die Uhr tickt.
