Yamahas v4-debakel: japaner kassieren debüt-klatsche in buriram

16. Startplatz, 14. Platz im Ziel, 13 Sekunden Rückstand – das war Fabio Quartararo am Samstag. Am Sonntag wiederholte sich das Bild: vier Yamahas, vier Fehlstarte, keine Antwort auf die Frage, warum der neue V4-Motor so stottert. Der Saisonauftakt in Thailand wurde zur Generalprobe für ein Desaster, das sich schon in den Wintertests abzeichnete.

Paolo Pavesio, Motorsport-Direktor von Yamaha, musste nach dem Rennen den schwarzen Peter ziehen. Statt seiner Piloten sprach er – und gab offen zu: „Wir sehen jetzt, wie groß die Lücke ist.“ Eine Lücke, die auf den Geraden zwei, drei, manchmal vier km/h verschluckt. Während Aprilia und Ducati bei 340 km/h kratzen, bleibt die M1 bei 336 km/h hängen. Auf einer Strecke mit zwei langen Geraden ist das ein Start-Ziel-Vorsprung, den man nicht aufholt.

Der v4 war als retter geplant – wird aber erstmal zum bürde

Yamaha hat 15 Jahre am Reihenvierzylinder festgehalten, weil er kompakt und effizient war. Doch seit Marc Marquez 2019 mit der Honda-V4 die Kurvenräuber-Ära einläutete, war klar: ohne V-Layout keine Titel. Also schmiss Iwata die Kiste um, entwickelte in Rekordzeit einen 90-Grad-V4, baute neue Getriebe, neue Aerodynamik, neue Elektronik – und landete trotzdem hinten.

Der Grund: Der Motor liefert keine Linearität. Er kommt aus der Kurve zögerlich, weil das Traction-Control-Modell die abrupte Drehmomenteinspritzung nicht verkraftet. Quartararo testete in Buriram fünf verschiedene Mapping-Versionen, keine brachte den erhoffen Schub. Stattdessen riss die Hinterradreise durch, die Reifentemperatur stieg, die Rundenzeit sank.

Jack Miller, eigentlich als Hitzkopf bekannt, klang nach dem Sprint wie ein Philosoph: „Wir fahren hier nicht gegen die Konkurrenz, wir fahren gegen uns selbst.“ 13,4 Sekunden Rückstand auf Pedro Acosta nach 13 Runden – das ist keine Pechsträhne, das ist ein Systemfehler.

Medien-blackout statt ehrlicher analyse

Medien-blackout statt ehrlicher analyse

Wer danach Antworten suchte, wurde weggeschickt. Yamahas Media-Abteilung sperrte Fahrer und Crew vor die Tür, nur Pavesio durfte sprechen – und der schob die Zeitscheibe vor sich her: „Kein Magie-Update, keine Monatsprognose.“ Ein Manager, der sich selbst entmachtet. Statt offener Kritik gab es Floskeln, statt konkreter Schritte ein „wir arbeiten hart“. Hartarbeit reicht aber nicht, wenn der Gegner schon wieder in der nächsten Kurve ist.

Die Zahlen sind brutaler als jedes Statement: Seit dem Valencia-Test 2025 hat Yamaha keine einzige Session gewonnen, kein Qualifying-Drittel, keinen Sprint, nicht mal eine schnellste Rennrunde. In Buriram war die beste M1 im Schnitt 0,9 sek/langsamer als die beste Ducati – pro Runde. Bei 26 Runden in Austin wären das 23 Sekunden. Da helfen auch keine neuen Flügelchen.

Teamchef Maio Meregalli redet intern von „kleinen Schritten“, doch auf der Strecke sieht es nach einem einzigen großen Rückwärtsgang aus. Und der nächste Härtetest folgt sofort: Katar, Losail, Nachtrennen, 22 Grad Asphalt, noch längere Gerade. Wenn der V4 dort nicht mindestens 340 km/h schafft, ist das Quartett um Quartararo, Rins, Miller und Nakagami schon vor dem Frühjahr abgemeldet.

Die Fans in Buriram feierten trotzdem – sie winkten Quartararo, als käme er als Sieger zurück. Er winkte zurück, aber die Augen sagten: Ich bin 14., und ich weiß nicht, wann es besser wird. Yamaha hat den Berg vor sich erkannt. Jetzt muss sie ihn auch bezwingen – sonst wird der V4 zur Grabinschrift einer einst glorreichen Marke.