Wolfsburg steckt im todeskampf: pyro, rempler, rote karte – und der trainer ist weg

Im Volkswagen-Kessel kocht das Fieber. Der VfL Wolfsburg verliert das Kellerduell gegen den Hamburger SV 1:2, rutscht tiefer in die Abstiegszone – und die Fans zünden ihre eigenen Schals an. Daniel Bauer dürfte in den nächsten Stunden das Nachsehen haben.

Kurz nach dem Abpfiff stand schwarzer Rauch über der Nordtribüne. Nicht symbolisch, real. Die Anhänger hatten ihre Wolfsburger Schals in einem Metallkorb entzündet, dazu Bengalos, Böller, alles was Knall und Gestank erzeugt. Die Botschaft war klar: Ihr habt unsere Liebe verbrannt. Eine halbe Stunde zuvor hatte Ersatzkeeper Marius Müller noch die Rote Karte gesehen, weil er sich in die Tumulte nach dem Schlusspfiff eingemischt hatte. Davor hatte Adam Daghim mit Nicolai Remberg gerangelt, danach ging es zwischen beiden Teams rund. Was Dietmar Hamann auf Sky zusammenfasste: „Die Energie hätten sie sich für die 90 Minuten auf dem Platz aufsparen sollen.“

Elfmeternacht statt siegesnacht

Die Zahlen sind brutal: acht Pflichtspiele ohne Sieg, 17. Platz, nur zwei Zähler Vorsprung auf Rang 18. Und dann diese Elfmeternacht. Drei Strafstöße fielen, zwei davon verwandelte der HSV. Christian Eriksen brachte die Wölfe zwar früh in Führung, doch Luka Vuskovic glich per Video-Elfmeter aus, ehe Jean-Luc Dompé nach der Pause den Deckel draufmachte. Dazwischen: ein Pflichtschuss, den Dzenan Pejcinovic aus fünf Metern nur an den Pfosten setzte. Die Chancenverwertung passt zum Gesamtzustand: katastrophal.

Kamil Grabara sah beim zweiten Gegentor aus wie der Mann, der zwischen zwei Weltkriegen steht. Erst berührte er den Ball noch, dann kippte er rückwärts ins Netz. Die Körpersprache des Keepers danach: leer. Auch er spiegelt den Verein.

„Der klub ist krank“ – das sagt einer, der es wissen muss

„Der klub ist krank“ – das sagt einer, der es wissen muss

Yannick Gerhardt, zehn Jahre Profi in Wolfsburg, hatte vor Wochen schon gesagt: „Der Verein ist nicht gesund.“ Trainer Bauer bestätigte nach Stuttgart, „dass viele Strukturen nicht bundesligatauglich sind“. Der Trainer forderte ein „anderes Mindset in der gesamten Struktur“. Jetzt, da die nächste Niederlage folgte, steht seine eigene Position auf dem Prüfstand. Sportdirektor Pirmin Schwegler schob sich nach dem Spiel in die gewohnten Phrasen: „Wir werden analysieren und dann eine Entscheidung treffen.“ Entscheidung ist Manager-Deutsch für: Trennung.

Maximilian Arnold beschrieb die Stimmung in der Kabine so: „Es war Frustration pur. Heute schläft keiner, weil es einfach ziemlich wehtut.“ Die Fans draußen schliefen auch nicht. Sie zogen ihr Banner um: „Chance vertan. Rückhalt verspielt!“

Die tabelle lügt nie – und der kalender wird zum feind

Nächste Woche geht es nach Freiburg, danach empfangen die Wölge Eintracht Frankfurt. Beide Spiele gelten als Zäsur. Verliert Wolfsburg auch dort, droht der Abstieg vor Ostern besiegelt zu sein. Die Konkurrenten Mainz und Bochum haben bereits den Trainer gewechselt – und punkten. Wolfsburg wartet noch. Aber nicht mehr lange.

Um 23:17 Uhr war der Platz geräumt, nur der verbrannte Geruch klebte in der kalten Märzluft. Ein Verein, der sich selbst ein Feuer gelegt hat. Die Lösung kann nur lauten: neue Hand, neues Glück. Sonst steigt der VfL 2027 in der 2. Liga an – und der Baum brennt weiter.