Wolff jagt die legenden: em-tour rüttelt dhb-ewigkeitsliste auf

Andreas Wolff ist nicht mehr zu bremsen. Der 34-jährige Weltmeister kletterte beim Turnier in Kroatien auf Platz 24 der Länderspiel-Rangliste und trägt jetzt 196 Einsätze für das DHB-Team auf seiner Visitenkarte. Was wie Statistik klingt, ist ein Sturm auf die Ewigkeit.

Frank Michael Wahl stand 25 Jahre unangefochten an der Spitze. 344 Spiele, 1412 Tore – beides Rekord, beides schien unantastbar. Doch Wolff jagt nicht nur mit den Händen, sondern auch mit der Uhr. Seine Geschwindigkeit: vier Einsätze pro Turniertag, wenn es eng wird. Seine Waffe: die Verlängerung. Denn Torhüter altern anders. Während Außen wie Patrick Groetzki nach der Knie-Operation vor der Heim-EM stillgelegt wurden, rückt Wolff näher an die 200-Marke heran – mit halbem Körper im Tor, halbem Blick schon auf dem nächsten Gegner.

Klaus langhoff rutscht im halbfinale ab

Die EM in Kroatien wurde zum Mini-Rasenmäher: Wolfgang Böhme (192), Martin Schwalb (193) und Klaus Langhoff (194) flogen binnen einer Woche aus den Top 25. Wolff überholte sie im Vorbeigehen, als hätte der Bundestrainer eine Checkliste auf der Bank liegen. „Nächster Halt: Langhoff“, murmelte jemand hinter der Auswechselbank, und schon stand der Kieler mit 196 Einsätzen vor dem Ex-Schlitzohr von Frisch Auf Göppingen.

Die Ironie: Langhoff selbst schrieb einst Kolumnen über „die Unverwüstlichkeit von Andreas Wolff“. Jetzt ist er es, der in den Fußnoten landet. Dabei hätte der heutige TV-Experte noch ein Ass im Ärmel: das Halbfinale am Freitag. Doch selbst wenn Deutschland bis ins Finale marschiert, bleibt Langhoff vorerst auf 194 Spielen kleben. Wolff dagegen zieht weiter, ein Zug ohne Bremse.

Uwe gensheimer steht still, der countdown läuft

Uwe gensheimer steht still, der countdown läuft

Uwe Gensheimer mag 204 Einsätze und 921 Tore auf dem Konto haben, doch seine Zählung endete in Tokio. Seitdem sammelt er Fernseh-Termine statt Siebenmeter. Silvio Heinevetter teilt sich mit ihm Rang 20, allerdings ohne Gensheimers Tor-Rekord. Für beine sportlich Aktive sieht die Rechnung hart aus: Wer heute nicht mindestens 180 Spiele hat, wird Wahl nie einholen. Wer nicht trifft, schafft es erst recht nicht. Christian Schwarzer war 319-mal dabei und blieb trotz 966 Treffern 446 Tore hinter Wahl zurück. Die Lücke ist ein Abgrund.

Die einzige Konstante: Wolff. Kein Tor, kein Hüftwurf, nur Paraden. Trotzdem schraubt er seine Zahl jeden Monat weiter nach oben. Fragt sich nur, wie lange noch. Denn selbst Torhüter haben ein Verfallsdatum – und die nächste Generation schielt schon. Luca Witzke wartet, David Späth auch. Wolff aber hat sich ein Mantra zurechtgelegt: „Erst die 200, dann sehen wir weiter.“

Die Chronik des Deutschen Handball Bundes ist ein lebendes Dokument. Wer heute auf der Liste steht, kann morgen schon eine Zeile tiefer rutschen. Andreas Wolff hat es verstanden, aus Zahlen Nervenkitzel zu machen. Bleibt die Frage, wann er aufhört – und ob ihn dann jemand wieder einholt. Die Antwort liegt irgendwo zwischen Torpfosten und Zeitlupe. Und sie lautet: wahrscheinlich nie.