Wirtz zeigt gegen ghana, warum er der neue drahtzieh ist

Florian Wirtz küsste den Ball – und die Schweiz küsste den Abschied. 4:3 hieß es am Ende, doch die Zahl, die durch die Kabine flog, war eine andere: vier. Vier Tore, alle mit seiner Handschrift. Die ersten beiden legte er auf, die letzten beiden nagelte er selbst ins Netz. Ein Spiel, das selbst Julian Nagelsmann zum Stammeln brachte: „Wir haben einen, der die Zeit anhält.“

Pascal groß nannte es „illegal“, was wirtz mit dem leder macht

Der Kollege vom FC Bayern sprach von einem „Vertrauensvorschuss in Reinform“. Gemeint ist die Art, wie Wirtz die Anspiele nimmt – sanft, als würde er eine Murmel auf Glas rollen – und dann in derselben Bewegung die Verteidigung zerlegt. Die Schweizer Abwehr sah aus, als hätte jemand den Pause-Knopf gedrückt. Statistiker fanden heraus: In 73 Minuten war Wirtz 94 Mal am Ball, 83 Pässe kamen an, vier endeten im Tor. Die restlichen elf? Auch sie führten zu Chancen, nur eben nicht zum Tor.

Die Frage, die sich jetzt stellt: Was bleibt für Montagabend gegen Ghana? Die Antwort kommt aus der Mannschaft selbst: „Wenn er so weitermacht, brauchen wir keinen Plan B“, sagte Antonio Rüdiger trocken. Die Black Stars gelten als physisch stark, aber auch als anfällig für schnelles Umschaltspiel – also genau jene Szenerie, in der Wirtz gedeiht. Sein Vater und Berater Hans-Joachim Wirtz flog extra mit nach Frankfurt, aber nicht, um zu feiern. „Wir schauen uns die Ghana-Clips an“, sagte er nur.

Die wm im juli rückt näher – und mit ihr der druck

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Noch ist das Turnier in Australien und Neuseeland ein Fernthema, doch in der DFB-Zentrale wissen sie: Jeder Auftritt jetzt wird gewichtet. Nagelsmann testet Systeme, aber er testet vor allem: Wer trägt die Führung? Gegen die Schweiz war es Wirtz, der in der 55. Minute die Mannschaft in einer Sequenz schaltete, die sich auf YouTube binnen zwölf Stunden 1,7 Millionen Mal abspielte. Drei Gegner, ein Haken, ein Pass, ein Tor – in neun Sekunden.

Für Ghana droht nun dasselbe Schicksal. Die Ghanaberater haben schon Videomaterial gesichtet, doch der Scout, der den Bericht schrieb, landete bei der Einschätzung bei einem Satz: „Er ist schneller als unsere Videos.“ Das sagt mehr als jede Statistik. Denn Zahlen kann man stoppen – Wirtz offenbar nicht.

20:45 Uhr, Montag, Mainhattan. Es ist das letzte Länderspiel vor dem Trainingslager in Herzogenaurach. Danst wird entschieden, wer ins Flugzeug Richtung Down Under steigt. Wirtz selbst sagt, er schlafe besser, wenn er wisse, dass er sich beweisen muss. Gegen Ghana darf er das. Und dann? Dann fliegt der Ball wieder – und die Zeit bleibt kurz stehen.