Wirbel um manipulierte challenger: panna udvardy erhält todesdrohungen vor antalya-match

„Verlier morgen, sonst jagen wir deine Mutter und deine Oma.“ Die Zeile landete am späten Montagabend auf dem Handy der ungarischen Tennisspielerin Panna Udvardy. Eine WhatsApp-Nachricht, die nicht nur die 26-Jährige aus der Welt 95 schockierte, sondern die gesamte WTA-Tour in einen neuen Abwehrtag versetzte.

Die bedrohliche nacht vor dem viertelfinale

Udvardy war in Antalya, Türkei, angekommen, um beim 60.000-Dollar-Challenger gegen die Ukrainerin Anhelina Kalinina um den Halbfinaleinzug zu spielen. Statt Taktikvideos zu studieren, scrollte sie durch schwarzmaskierte Profilbilder und Sprachmemos, in denen ihr anonyme Absender ein Ultimatum diktierten. „Wir kennen eure Autos, eure Handynummern, eure Adressen“, stand in einer Sprachnachricht. Als Beweis schickten die Erpresser Fotos ihrer Familienmitglieder – daneben eine Pistole.

Die Drohung eskalierte: „Zwei bewaffnete Gruppen warten an der ungarischen Grenze. Wenn du nicht verlierst, schicken wir sie los.“ Für Udvardy war klar: Sie würde am Dienstag nicht nur gegen Kalinina spielen, sondern gegen ein kriminelles Netz, das offenbar Zugriff auf interne Spielerdaten hat.

Datenklau aus wta-datenbank vermutet

Datenklau aus wta-datenbank vermutet

Nach Recherchen des TSV Pelkum Sportwelt bestätigte die WTA-Sicherheitsabteilung, dass Udvardys Handynummer und die Adressen ihrer Angehörigen vermutlich aus dem zentralen Spieler-CRM stammen. „Wir vermuten einen gezielten Hack oder einen Insider, der Kontaktdaten verkauft“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Laut WTA-Quellen sind in den vergangenen zwölf Monaten mindestens sieben Spielerinnen mit ähnlichen Erpressungsversuchen konfrontiert worden – vor allem bei ITF- und Challenger-Events außerhalb der Top-50-Metropolen.

Udvardy reagierte sofort. Sie schickte Screenshots an die WTA, informierte das ungarische Konsulat und ließ sich von drei türkischen Antiterroreinheiten zum Match eskortieren. Ihre Eltern und Großmutter wurden zeitgleich in einem sicheren Haus in Budapest unter Polizeischutz gestellt. „Ich bin Profi, aber zuerst bin ich Tochter und Enkelin. Kein Match der Welt ist das Risiko wert“, sagte sie nach dem 6:7, 5:7 gegen Kalinina.

Die wta steht unter druck

Die wta steht unter druck

Die Spielergewerkschaft PTPA fordert nun einen externen IT-Audit der WTA-Systeme. „Wenn Daten von Ranglistenposition 95 auf dem Schwarzmarkt kursieren, ist die Sicherheit der Top 10 längst kompromittiert“, erklärte Co-Vorsitzender Ahmad Nassar. Die WTA kündigte an, bis Indian Wells ein Task-Force-Team zu entsenden, das Turnierorganisatoren neue Verschlüsselungsstandards vorschreiben soll.

Doch die Frage bleibt: Warum musste Udvardy selbst die Ermittlung in die Hand nehmen? Die türkische Polizei bestätigte, dass erst nach öffentlichem Druck ein Strafverfahren wegen versuchter Erpressung und Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet wurde. Die WTA selbst veröffentlichte bis heute kein offizielles Sicherheitsupdate für Spielerinnen.

Ein sieg, der keiner war

Ein sieg, der keiner war

Für Kalinina war das Viertelfinale ein Pyrrhussieg. Die 28-Jährige erfuhr erst nach dem Match von den Drohungen. „Ich wollte gewinnen, aber nicht so“, sagte sie sichtlich mitgenommen. Beide Spielerinnen verweigerten die Pressekonferenz – ein Novum im Frauentennis. Stattdessen veröffentlichte Udvardy einen letzten Post: „Ich habe verloren, aber meine Familie ist am Leben. Das ist mein 6:0 gegen die Mafia.“

Die WTA hat für Freitag eine Krisensitzung einberufen. Die Teilnehmerliste ist geheim. Eines steht fest: Panna Udvardy wird nicht mehr dieselbe auf dem Court sein – und die Challenger-Circuit wird endlich aufpassen müssen, wer in den Tribünen sitzt und auf welchem Handy die nächste Nachricht landet.