Musiala erwacht: elf monate warten, drei minuten jubeln

Der Ball rollte, die Uhr tickte, und plötzlich war er wieder da: Jamal Musiala, 23 Jahre alt, aber mit dem Lächeln eines Neunjährigen, der das erste Mal vom Weihnachtsmann ein Trikot bekommt. 57 Minuten gegen Gladbach, 3:0 aus dem Punkt, 4:1 am Ende – und ein Kapitel, das endlich weitergeht.

Kane fällt aus, musiala tritt an

Die Szene ist schnell erzäht: Musiala legt sich den Ball zurecht, schaut kurz zum Pfosten, trifft flach links. Tor Nummer sieben in der Bundesliga, erste seit dem 15. März 2025. Was danach passiert, ist schwerer in Worte zu fassen. Seine Mitspieler stürzen sich auf ihn, die Südkurve brüllt „Musiala! Musiala!“, und selbst Vincent Kompany, sonst ein Mann der kontrollierten Geste, klatscht ein paar Sekunden länger als nötig.

„Ich bin ein bisschen müde, aber es fühlt sich gut an“, sagt Musiala später vor der Sky-Kamera, die Stimme heiser vom Jubel. Er spricht, als hätte er eben einen Marathon hinter sich, nicht 90 Minuten Fußball. Das liegt an den elf Monaten Zwangspause, an den Reha-Läufen in der Früh, an den Nächten, in denen er träumte, genau diesen Elfmeter zu schießen.

Kompany nimmt ihn in Schutz. „Wir haben positive Momente, aber ich schütze ihn trotzdem noch“, sagt der Belgier. Die Verletzung war kompliziert, der Weg zurück holprig. Musiala durfte in den vergangenen Wochen nie mehr als 60 Minuten spielen, musste mit der U 21 Kraft tanken, durfte nicht reisen, wenn der Rasen zu hart war. Jetzt das volle Programm: 90 Minuten, Kapitänsbinde in der Nachspielzeit, Tor, Assist, Sieg.

Die bayern brauchen ihn, er braucht den rhythmus

Die bayern brauchen ihn, er braucht den rhythmus

Max Eberl nennt es „Momente, die einfach gut tun“. Der Sportvorstand weiß, dass der FC Bayern in den nächsten Wochen ohne den Zauberfuß nichts zu holen ist. Gegen Leverkusen, Leipzig, Dortmund wird kein Raum für Experimente bleiben. Musiala muss fit sein, muss dribbeln, muss treffen. Gegen Gladbach hat er gezeigt, dass er bereit ist. Die Frage ist nur: wie lange?

Die Antwort liegt in den Trainingsdaten, in den Herzfrequenzkurven, in den kleinen Zahlen, die niemand zu sehen bekommt. Musiala selbst glaubt an die 90 Minuten, Kompany an 70 plus Nachspielzeit. Der Spieler will mehr, der Coach will vorsichtig sein. Am Ende einigen sie sich auf ein stilles Pakt: jedes Spiel ein bisschen länger, jedes Tor ein bisschen lauter.

Die Fans feiern ihn wie einen neuen Transfer. Sie singen sein Lied, das sie vergessen hatten, weil es keinen Grund gab, es anzustimmen. Jetzt skandieren sie wieder „Oh, Jamal Musiala“, und er tanzt mit, Arm in Arm mit Manuel Neuer, der ihn an der Schulter packt, als wolle er sagen: Bleib gesund, Junge, wir brauchen dich.

In den Katakomben wartet schon das nächste Spiel. Die Saison ist kein Marathon, sie ist ein Zehnkampf, und Bayern liegt nach sieben Disziplinen knapp vorne. Musiala ist wieder am Start, das Herz schlägt höher, der Rhythmus kehrt zurück. Elf Monate warten, drei Minuten jubeln – und dann wieder von vorn. Der Zauberfuß lebt. Der Rest ist Schweigen bis Samstag, 15.30 Uhr, Anpfiff in Leverkusen.