Wiencek schlägt alarm: thw kiel muss im nordderby zittern

Patrick Wiencek spricht Klartext. Der Ex-Kapitän des THW Kiel sieht den Rekordmeister kurz vor dem Abrutschen aus der Champions-League-Zone – und das Nordderby gegen Flensburg als Schicksalsspiel.

„Die zeiten, in denen man fest mit der champions league planen konnte, sind vorbei“

Mit diesen Worten brennt der 36-Jährige der Mannschaft, für die er 14 Jahre auf Kreis war, die Leviten. Nach dem 24. Spieltag steht Kiel mit 34:14 Punkten nur auf Rang fünf, einen Punkt hinter Gummersbach, dem letzten CL-Kandidaten. Berlin und Flensburg sind bereits vier beziehungsweise fünf Zähler weg.

„Es ist unglaublich eng. Mit Berlin, Flensburg, Lemgo, uns und Gummersbach liegen mehrere Teams innerhalb weniger Minuspunkte“, sagt Wiencek der Sport Bild. „Jedes Spiel zählt.“ Besonders bitter: Die jüngsten Niederlagen gegen Gummersbach und Stuttgart waren nicht eingeplant. Die Stimmung in der Wunderino-Arena kippte, die Tabellenkalkulationen wurden schlagartig komplizierter.

Samstag, 20 Uhr, 116. Schleswig-Holstein-Derby. Flensburg reist an. Die HSG hat ihr Pokal-Aus gegen Magdeburg verdaut, im Europapokal Kiel zuletzt mit 36:29 geschlagen – und trotzdem die besseren Karten. „Als ich es selbst erlebt habe, habe ich sofort gedacht: Wow. Diese Intensität spürt man bei keinem anderen Bundesliga-Spiel so deutlich“, erinnert sich Wiencek an die Druckkessel-Atmosphäre. „Es ist wie im Fußball zwischen Dortmund und Schalke.“

Die Ironie: Kiel kann in der European League noch den direkten Weg in die Königsklasse ebnen. Im Viertelfinal-Hinspiel am 25. März in Fredericia liegt der Fokus bereits auf dem Final-Four-Traum. Doch selbst der würde nur dann den dritten deutschen Startplatz sichern, wenn die HBL beim Ranking der Verbände vorrückt – und das hängt auch an den anderen Klubs. Eine Lotterie.

Thw-coach hens muss seine rumpftruppe zusammenhalten

Thw-coach hens muss seine rumpftruppe zusammenhalten

Die Personaldecke beim THW ist dünn. Svan fällt weiter aus, Pekeler laboriert an der Schulter, Møller ist erst seit Kurzem zurück. Die jungen Wilden wie Schill und Reinhardt bekommen Minuten, aber keine Ruhe. Wiencek sieht die Gefahr, dass sich der Druck auf die Ohren legt: „Wenn du gegen Flensburg verlierst, hört man die Köpfe klicken: ‚Jetzt stecken wir richtig fest.‘“

Die Zahlen sprechen gegen Kiel: In den letzten fünf Spielen nur zwei Siege, die Abwehr kassierte 28,4 Tore pro Partie – schlechtester Wert der Top-6. Flensburg kommt mit der besten Zweikampfquote der Liga. Und mit Gøran Søgard Johannessen, der in den vergangenen drei Derbys 23 Treffer erzielte.

Dennoch: Wiencek glaubt an die Wende. „Unser Ziel ist klar: die Champions League. Aber der Weg führt nur über Siege. Nicht über Rechnerei.“ Sprich: Nur ein Sieg am Samstag hält die Saison offen. Alles andere wäre das erste Mal seit 2004, dass der THW nicht mindestens Rang drei belegt – ein historischer Einschnitt.

Um 22 Uhr wird die Arena wissen, ob Kiel noch mitredet – oder ob die Flensburger Fans ihr altes Lied anstimmen: „Wir sind der Norden, ihr nicht mehr.“