Italiens rugby-sensation: 35 jahre fluch gegen england endet mit 23:18

32 Spiele, 35 Jahre, ein ganzes Rugby-Leben – und jetzt ist alles anders. Mit 23:18 schlug Italien England im Sechs-Nationen-Turnier, riss die letzte Tabu-Mauer ein und schrieb Geschichte im Stadio Olimpico.

Tommaso Menoncello, 21 Jahre alt, MVP des Abends, konnte kaum sprechen. „Wir haben die ganze Woche von diesem Moment geträumt, überzeugt davon, dass es möglich ist“, sagte der Center, während seine Stimme brach. „Im Kopf war nur: Wir machen das einfach.“ Seine Analyse war kurz, präzise, fast schon kindlich: „Wir haben die Chancen genommen, Paolo hat getroffen, dann nochmal Paolo – und wir waren vorne.“

Quesadas langer marsch: vom kandidaten zum tabubrecher

Gonzalo Quesada, seit 2022 Trainer der Azzurri, wirkte wie ein Mann, der endlich einen 35 Jahre alten Koffer abgestellt hat. „Wir haben gelernt, nervöse Spiele zu managen“, sagte der Argentinier mit fast schon akademischer Ruhe. „England spielte an der Regelgrenze, wir haben die Momente genutzt, in denen wir unser Spiel durchziehen konnten.“ Der 50-Jährige lobte seine Bank: Frühe Wechsel, frisches Blut, neue Energie – das sei der Unterschied zum 6:33 vor zwei Jahren in London.

Dabei hatte Quesada die Mannschaft verbal auf Betonköpfe getrimmt. „Die Erwartung war da, klar. Aber wir haben sie in der Kabine gelassen“, verriet er. Stattdessen schickte er Martin Castrogiovanni ins Lager, der eine Asado-Grillparty schmiss, und ließ Alt-Legende Diego Dominguez die Trikots überreichen. „Ich wusste, dass das ein Signal ist: Alte Geschichte, neue Geschichte“, sagte Quesada mit einem verschmitzten Grinsen.

Itoje trägt die schuld – und die zukunft

Itoje trägt die schuld – und die zukunft

Auf der anderen Seite stand Maro Itoje, Kapitän der Rose, mit leerem Blick. „Die Verantwortung ist unsere, nur unsere“, sagte der Lock, während seine Stimme stockte. „Die Trainer haben alles vorbereitet, wir haben es nicht umgesetzt.“ Seine Lösung klang wie ein Mantra: „Kämpfen. Nur kämpfen.“

Die Statistik ist gnadenhaft: England dominierte besitz (59 %), Laufmetern (486 zu 312) und Tackle-Quote (91 %), verlor aber die entscheidenden drei Minuten nach der 67. Minute, als Paolo Garbisi erst einen Strafstoß verwandelte und dann eine Drop-Goal-Parade nach einem abgewehrten Angriff startete.

Cardiff als nächster gipfel

Cardiff als nächster gipfel

Die nächste Hürde folgt sofort: Am 16. März geht es nach Cardiff, wo Wales nach dem 18-17 gegen Irland ebenfalls auf Hochtouren läuft. „Das wird eine riesige Herausforderung“, warnte Quesada. „Wir bleiben bescheiden, arbeiten im Stillen.“

Für Italien geht es nicht nur um Punkte, sondern um einen mentalen Shift. Seit 2000 war England der unbezwingbare Gigant, 32 Mal hintereinander. Jetzt ist die Angst weg. „Wir wussten, dass wir es können“, wiederholte Menoncello. „Und jetzt wissen wir, dass wir es wieder tun können.“

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 23 Punkte gegen England sind die zweitmeisten der italischen Sechs-Nationen-Geschichte. Und die 18 Gegentore die wenigsten seit 2013. Das ist kein Zufall – das ist ein neues Kapitel.