Widmer zündet den turbo: «gegen deutschland wollen wir den nachbrenner»

St. Jakob-Park kocht schon zwei Tage vor dem Anpfiff. Silvan Widmer ballt die Faust, Alvyn Sanches zwinkert den Kameras zu. Die Nati ist zurück – und sie will mehr als nur Warmmachen für Katar.

Der mainz-mann spricht tacheles

«Wenn die deutschen Kollegen mich fragen, wie’s läuft, sag ich: Wir haben einen neuen Coach und plötzlich steht der Ball wieder, wo er soll.» Widmer lacht, aber es klingt wie ein Warnschuss. Sein erstes Tor für die Schweiz erzielte er 2016 gegen genau diesen Gegner. Drei Tage später folgt Norwegen, doch klar ist: Das Duell mit dem Weltmeister von 2014 ist das Prüfungszimmer.

Der 29-Jährige hat die Bundesliga in den Knochen. Er kennt Joshua Kimmichs Tempo, weiß wie Thomas Müller Räume raspelt. «Ich spiel gegen sie, ich spiel mit ihnen – und jetzt spiel ich gegen sie. Das ist kein Freundschaftsspiel, das ist ein Sechs-Punkte-Spiel im Kopf.»

Sanches’ comeback nach 371 tagen

Sanches’ comeback nach 371 tagen

Alvyn Sanches strahlt wie ein Scheinwerfer. «Ein Jahr weg, ein Jahr Leere. Dann das erste Mal wieder im Nati-Trikot – das ist kein Karriereschritt, das ist ein Lebenspuls.» Der Wechsel zu Young Boys war seine Therapie. 13 Scorerpunkte in 19 Partien seit Januar. Die Gerüchte über einen Sommer-Transfer wischt er weg: «Vertrag bis 2029. Punkt. Ich bin nicht hier, um zu lächeln. Ich bin hier, um zu starten.»

Und da ist Noah Okafor, zurück aus Mailand, zurück in Basel. «Er sagt wenig, er tut viel», berichtet Widmer. «Gestern im Training hat er zwei Gegner aus dem Takt gespielt. Das ist keine PR-Story, das ist ein Fakt.»

Urs fischers handwerk

Urs fischers handwerk

Mainz lag zur Winterpause auf Relegationsplatz, dann kam Urs Fischer. Seitdem holte der Klub 17 Punkte aus neun Spielen. «Er hat uns nicht gerettet, er hat uns neu verschraubt», sagt Widmer. «Jeder weiss jetzt, wann er wo hinläuft. Das klingt banal, aber in der Bundesliga reicht schon ein Schritt zu spät – und du bist weg.»

Die Conference League ruft. «Wir wollen nicht nur das Achtelfinale, wir wollen den Pokal. Klingt verrückt? Gut. Dann sind wir auf dem richtigen Kurs.»

Die Uhr tickt. In 48 Stunden steht Widmer im St.-Jakob-Park, 37 000 Zuschauer, deutsche Hymne, Schweizer Hymne. «Ich spüre das Kribbeln schon jetzt. Das ist kein Test, das ist eine Ansage.»