Weidenfeller packt aus: so hart schuftete kehl, dass selbst freunde fielen

Roman Weidenfeller redet Klartext. Im Podcast „Brinkhoff’s Ballgeflüster“ bricht der BVB-Weltmeister sein Schweigen über das Aus von Sebastian Kehl – und liefert eine Liebeserklärung, die weit über übliche Statements geht.

Kehls erbe: pokal, finale und ein kader, der plötzlich milliarden wert ist

„Unter seiner Zunft wurde der BVB wieder Pokalsieger, stand im Champions-League-Finale“, sagt Weidenfeller. Die Kritik, Kehl habe den Kader verschlafen, wischt er beiseite: „Er hat gute Leute geholt und teure verkauft – und dabei immer schwarzgelbe DNA im Blick.“ Die Zahlen sprechen für sich: 24 Jahre Dienst, zwei Meisterschaften, ein Europapokalsieg als Spieler, nun der abrupte Abgang als Sportdirektor.

Doch hinter den Trophäen wartet eine private Geschichte, die selbst eingefleischte Fans nicht kennen. „Ich habe ihn in den letzten Jahren kaum gesehen, obwohl wir wie Brüder sind“, gesteht der 45-Jährige. Grund: Kehls Arbeitstempo. „Er hat 24 Stunden am Tag gedacht, analysiert, telefoniert. Früher sind wir mit dem Zug durch Deutschland tingelt, heute reicht eine WhatsApp alle zwei Monate.“

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Die beiden kamen als Teenager aus dem Süden, teilten sich Zugabteile, träumten vom Profidasein. „Wir haben die Niederlagen zusammen ausgeheult und später mit dem Pokal in den Arm genommen“, erinnert sich Weidenfeller. Diese Nähe habe Kehl geopfert, um den Verein nach vorn zu bringen. „Er hat sich selbst weggeschuftet – und dafür Freundschaften auf Eis gelegt.“

Nun rückt Nils-Ole Book nach, ein Mann aus der 2. Liga. Weidenfeller wünscht ihm viel Glück, bittet aber um Respekt für seinen Vorgänger: „Wer Kehls Erbe schlechtredet, hat keine Ahnung, wie viele Nächte dieser Mann durchgearbeitet hat.“

Die Botschaft ist klar: Der BVB verabschiedet nicht nur einen Sportdirektor, sondern einen Workaholic, der sich selbst entfremdete, um Schwarz-Gelb zu dienen. Ein Abschied, der selbst harte Kerle wie Weidenfeller emotional macht – und der klarmacht: Nächstenliebe kann im Profifußball bedeuten, sich selbst zu verlieren.