Walter attackiert darmstadts standard-chaos: „das ist foulspiel“
Tim Walter packt aus. Vor dem Duell bei Darmstadt 98 wettert der Holstein-Kiel-Trainer gegen die Masche, mit der die Lilien schon zehn Eckbälle versenkt haben: Keeper blocken, Räume verstellen, Irritation erzeugen – und alles unter dem Radar der Schiedsrichter. „Aus meiner Sicht ist das in sehr vielen Fällen Foulspiel. Und das muss man ahnden“, sagt er knapp vor der Partie am Samstag (13 Uhr, LIVE! bei kicker).
Die zehn eckbomben, die walter alarmieren
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Kein Zweitligist trifft nach Ecken häufiger als Darmstadt 98. Die 98er haben sich auf die einfache Rechnung verlassen: große Mann – Kopfball – Tor. 16 Mal fiel so schon ein Treffer nach Standards, nur Arminia Bielefeld (19) und die Schalker (17) sind noch effektiver. Walter versucht, die Szenerie zu entzaubern: „Das weiß jedes Kind, dass sie gut sind bei Standards.“ Doch genau darin liegt sein Problem. Denn hinter dem „wie“ versteckt sich ein Trend, der ihm seit seiner Zeit in England unter die Haut geht.
„In der Premier League ist es meines Erachtens zu viel“, sagt er und meint damit das systematische Blocken von Schlussleuten, das sich auch in der 2. Bundesliga einschleicht. Die Schiedsrichter hätten „absoluten Willen“ nötig, durchzugreifen. Solange sie das nicht tun, bleibt Kiel nur eins: „Nichts zulassen. Und wenn doch, dann alles investieren, was wir haben.“

Walters gegenplan: wille statt warten
Statt auf den nächsten Pfiff zu hoffen, schärft der 50-Jährige die Eigenverantwortung seiner Stammelf. Die Innenverteidiger Lorenz und Korb sollen die Luft schon vor dem Fünfer rauben, Außenbahnspieler Skrzybski und Kinsombi sollen die Flankengeber stören, bevor die Bälle fliegen. Kurz: Statt zu jammern, will Kiel die Zweikämpfe gewinnen – und damit den Lilien zeigen, dass auch große Jungs mal leise werden.
Am Ende bleibt eine Frage: Wer setzt sich durch – Darmstadts perfekt einstudiertes Chaos oder Kiels neu entflammter Abwehrstolz? Walter hat schon die Antwort parat: „Wenn wir den absoluten Willen aufbringen, dann haben wir Chancen.“ Für die Störche geht es nicht nur um drei Punkte, sondern auch darum, einem unangenehmen Trend die Richtung zu weisen. Das klingt nach Kampf. Und genau danach klingt Tim Walter am liebsten.