Wagner blickt zurück: selbstkritik, kompany-lob und zukunftspläne

Sandro Wagner hat sein Schweigen gebrochen. Der 38-Jährige äußert sich erstmals seit seinem Aus beim FC Augsburg selbstkritisch zu seiner Zeit in der Fuggerstadt, schwärmt von Vincent Kompany und der italienischen Serie A und gibt einen Ausblick auf seine Zukunft. Ein Interview, das Fragen aufwirft und Antworten liefert.

Die demut nach dem aus: wagner reflektiert seine zeit in augsburg

Es war ein kurzes, aber intensives Kapitel: Sandro Wagner übernahm im Sommer den FC Augsburg und wurde nach nur zehn Punkten aus zwölf Spielen wieder entlassen. Nun, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, zeigt sich der frühere Nationalspieler selbstkritisch. „Ich weiß, wer ich bin und dass ich auch mal polarisiere. Deshalb ist es ein klares Learning aus meiner Station in Augsburg, dass ich dieses Image nicht noch unnötig weiter befördern darf.“ Die öffentlichen Äußerungen, insbesondere nach der Niederlage gegen Bayern München, hätten er „vergaloppiert“.

Wagner räumt ein, dass er in der Vergangenheit zu unbedacht formuliert hat. Sein Statement nach dem 2:3 gegen den Rekordmeister, in dem er die Qualität des FCA mit der des FC Bayern verglich, sei ein Beispiel dafür gewesen. „Ich war noch total emotional, die Frage war ein wenig provokativ gestellt, und dann hab' ich mich locken lassen.“

Kompany als vorbild: die kunst der unantastbarkeit

Kompany als vorbild: die kunst der unantastbarkeit

Wagner betont, dass er viel aus seiner Zeit in Augsburg gelernt hat. Ein Vorbild sei in dieser Hinsicht Vincent Kompany. „Vincent Kompany ist in dieser Hinsicht ein großes Vorbild: Sich nicht angreifbar zu machen, beherrscht kaum einer so gut wie er.“ Die Fähigkeit, sich nicht von Provokationen leiten zu lassen, sei entscheidend für einen erfolgreichen Trainer.

Italienische fußballliebe und die suche nach der eigenen balance

Italienische fußballliebe und die suche nach der eigenen balance

Abseits des Trubels genießt Wagner die Ruhe. Er beobachtet den Fußball, insbesondere die Serie A, mit großem Interesse. „Ich kann mir stundenlang nur Abwehrketten anschauen: Wann stehen sie wo, wohin verschieben sie in welcher Situation, wie würde ich reagieren … so was liebe ich.“ Besonders beeindruckt sei er von Gian Piero Gasperini, dessen taktische Finesse er bewundert. Auch Como 1907 unter Cesc Fabregas rückt in seinen Fokus.

Die Frage, wann Wagner wieder auf die Trainerbank zurückkehren wird, lässt er offen. „Ich will nie ein Trainer sein, der sich hinstellt und sagt: Hallo, ich bin wieder bereit! Ich bin wieder heiß!“ Stattdessen möchte er erst Feedback einholen und die Möglichkeiten prüfen. „Wenn was passt, lege ich los, und wenn nicht, dann nicht.“

Die Erfahrung in Augsburg mag zwar frühzeitig beendet worden sein, doch Wagner blickt nach vorne. Er hat gelernt, sich selbst besser einzuschätzen und seine Rolle als Trainer zu reflektieren. Und während der FCA unter Manuel Baum nun wieder in Fahrt gekommen ist – vier Spiele vor Schluss ist das internationale Geschäft plötzlich wieder näher als der Relegationsplatz – scheint Sandro Wagner bereit für eine neue Herausforderung zu sein, wenn sich die Gelegenheit bietet.