Vom eigenen klub verkloppt: dfb erlaubt st. pauli gegen st. pauli im epokal

65.000 Euro Preisgeld, eine Webcam und kein Funke Kontrolle: Beim DFB-ePokal darf der FC St. Pauli am Freitag gegen sein eigenes Nachwuchs-Team antreten. Die digitale Doppelbelastung ist legal – und das ist ein Skandal im Tarnanzug.

Warum der echte fußball das seit 16 jahren verbietet

2008 schmiss der DFB Reserveelfen raus. Begründung: Interessenkonflikt, Wettbewerbsverzerrung, sportliche Integrität. Seitdem darf nur eine Mannschaft pro Klub im Pokal ran. Die Regel galt als unumstößlich – bis der Verband sie im eFootball selbst ad absurdum führt. Jetzt sind St. Pauli und RB Leipzig doppelt vertreten, St. Pauli sogar mit Profis und Tal aus demselben Kaderpool. Die Logik: Ein anderer Modus rechtfertigt alles.

Der DFB antwortet auf Nachfrage mit dem Satz, der die Lücke offenlegt: „Der Wettbewerb orientiert sich strukturell stärker an offenen Turnierformaten im eSport.“ Übersetzt: Fair play ist ein Fußballproblem, nicht unseres. Die Turnierleitung wird zwar „competition-admins“ genannt, aber was genau die kontrollieren können, wenn Jaden aus der U19-WhatsApp-Gruppe vorher die Taktik für das Viertelfinale postet, bleibt offen.

Die 65.000-euro-frage: wie viel vertrauen ist zuviel?

Die 65.000-euro-frage: wie viel vertrauen ist zuviel?

Klar, keiner wirft den Klubs direkt Absprachen vor. Aber die Versuchung ist real, die Kontrollinstrumente virtuell. Ein kurzer Anruf, ein Signal im Discord, schon kann der Profi den Nachwuchs durchwinken – und beide kassieren Preisgeld. Der DFB vertraut auf Ehre statt auf Regelwerke, die seit 16 Jahren im analogen Fußball funktionieren. Das Ergebnis: Ein Viertelfinale, das längst vor dem ersten Pass entschieden sein könnte.

Am 20. und 21. März steht das Finalevent am DFB-Campus in Frankfurt. Dort wird niemand nachfragen, warum ausgerechnet der Verband, der Fairness predigt, sie im eFootball verschenkt. Die Antwort liegt auf dem Server: Offenheit ist toll, solange niemand kontrolliert, ob sie ehrlich gemeint ist.