Volleyball: können die 'leonas' endlich durchstarten?

Die spanische Damen-Volleyballnationalmannschaft steht vor einer Weggabelung. Lange Zeit im Schatten des erfolgreichen Fußballs, Basketballs und Handballs, scheint sich langsam etwas zu bewegen. Doch der Weg zur internationalen Spitze ist noch weit, und die Frage ist, ob die 'Leonas del Voley' ihr Potenzial endlich entfalten können.

Ein blick zurück: die lange suche nach konstanz

Die Erinnerung an den historischen EM-Titel der Männer von 2007 wirkt wie aus einer anderen Welt. Seitdem blieb Spanien bei den großen internationalen Wettbewerben weit hinter den Erwartungen zurück. Während andere Sportarten Erfolge feiern, kämpfte das Volleyball-Team um Anerkennung und Ergebnisse. Pascual Saurín, seit 2014 Bundestrainer, weiß das nur zu gut. Er betont, dass die Zeiten, in denen man es noch mit einem 'Versuch' gut machen konnte, vorbei sind. 'Jetzt sind es Verpflichtungen', sagt er.

Die liga iberdrola: ein entwicklungsstau?

Die liga iberdrola: ein entwicklungsstau?

Ein Problem liegt in der Liga Iberdrola selbst. Die Arbeitsbedingungen für die Spielerinnen sind weit entfernt von dem, was Top-Spielerinnen in anderen europäischen Ligen, wie beispielsweise in der Türkei mit ihren Millionenverträgen, genießen. Auch der Erfolg des Männerteams 'Guaguas', das in der Champions League bis ins Viertelfinale vorstieß, findet keine Entsprechung im Frauenbereich. 'Guaguas setzt den Standard, und die anderen versuchen, mitzuhalten. Die Damenliga stagniert hingegen', analysiert Saurín. Spielerinnen wie Paty Aranda, die bereits in Frankreich und Peru Erfahrungen sammelte, suchen deshalb oft im Ausland nach besseren Möglichkeiten, um sich mit den Besten zu messen.

Die italienische schule: ein vorbild für professionalität

Ein Blick über die Landesgrenzen hinweg zeigt, wie es besser gehen kann. Italien, aktueller Olympiasieger und Weltmeister, setzt Maßstäbe in Sachen Professionalität. Raquel Lázaro, die in der italienischen Liga spielt, berichtet von einem ganz anderen Umfeld: 'Dort ist alles viel professioneller. Es gibt immer einen Physiotherapeuten, der sich um die Spielerinnen kümmert, und das Trainerteam besteht aus mindestens vier Personen.' Die Liga profitiert zudem von zahlreichen Sponsoren, die Top-Spielerinnen aus aller Welt anziehen und eine positive Atmosphäre in den Hallen schaffen.

Der sieg gegen die türkei: ein hoffnungsschimmer

Der Sieg gegen die Türkei bei der WM des vergangenen Jahres war ein Wendepunkt. 'Wir haben gemerkt, dass wir den Top-Mannschaften Paroli bieten können', erinnert sich Patricia Llabrés, die Kapitänin der Nationalmannschaft. Auch das Spiel gegen Italien bei der EM, in dem Spanien den ersten Satz mit 22:18 gewann, zeigte, dass das Team Potenzial hat. 'Es war eine Demonstration für die Gruppe, dass man es schaffen kann', ergänzt Ex-Sprinterin María Schlegel.

Die nächste herausforderung: die european league

Die kommende European League bietet die Möglichkeit, diese Entwicklung weiter voranzutreiben. Mit Gegnern wie Bosnien, Kosovo, Nordmazedonien, Aserbaidschan, Finnland und Island hat das Team zwar machbare Aufgaben vor sich, doch Finnland gilt als der stärkste Gegner. 'Es ist eine Mannschaft, die auf Wachstum setzt und der wir uns stellen müssen', warnt Saurín.

Für die jungen Spielerinnen, die diesen Sport lieben, hat Saurín eine klare Botschaft: 'Lasst euch nicht von denen entmutigen, die sagen, es geht nicht. Viele von uns haben ohne Vorbilder aufgewachsen und mussten erst lernen, dass wir es schaffen können.'

Die 'Leonas del Voley' stehen am Anfang eines neuen Kapitels. Die Reise zur Weltspitze mag noch weit sein, aber die Zeichen stehen auf Veränderung. Ob sie ihre Chance nutzen und endlich zu den europäischen und internationalen Top-Teams aufsteigen können, wird die Zukunft zeigen. Die Hoffnung stirbt zuletzt – und in Spanien keimt sie neu auf.