Raimon verabschiedet sich: 38 jahre hingabe für den levante!
Ein Raunen ging durch die Ränge des Ciutat de València, als die Tore zur überdachten Tribüne widerwillig geöffnet wurden. Jahrzehntelang war Raimon, der Mann mit den Schlüsseln, Hüter dieser Grenze zwischen Wind und Wetter und dem Komfort der Zuschauertribüne. Nun, nach 38 Jahren unermüdlichen Dienstes für den Levante UD, geht ein Kapitel zu Ende.
Der gärtner, der mehr war als nur ein gärtner
José Ramón Ferrer Bueno, von allen nur Raimon genannt, begann seine Karriere 1988 als einfacher Gärtner. Doch er entwickelte sich zu einer Art Multitalent, einem Mann für alle Fälle, dessen Charisma und Erfahrung den Verein weit über die Rasenpflege hinaus bereicherten. In einer Zeit, als der Fußball noch weniger professionell war, war Raimon ein Fels in der Brandung, ein Mann, der wusste, wie man einen Rasen pflegt und gleichzeitig die Stimmung im Stadion aufhellt.
“Man nennt sie heute ‘Greenkeeper’ oder ‘Groundsman’”, grummelt Raimon, “Ich bin Gärtner, von der alten Schule. Wer den Rasen um die Pfosten mit der Schere gestutzt hat.” Er posiert stolz mit einer modernen Rasenmaschine, ein Kontrast zu den Zeiten, als er noch mit einfachen Werkzeugen arbeitete.
Seine Kenntnisse stammen nicht aus Büchern, sondern aus der Lehre seines Vaters, der Gemüse anbaute. “Mein Vater hat mir alles beigebracht, was ich weiß. Damals gab es keine Lehrbücher.” Ein Wechsel in der Vereinsführung führte ihn schließlich zur Verantwortung für das Spielfeld seines Heimatdorfes Meliana. “Wir haben einen guten Rasen hinbekommen, und das war der Beginn von allem.”

Von benito floro bis zu springsteen: raimons außergewöhnliche karriere
In jenen Tagen waren Trainer oft eher auf der Suche nach einem zuverlässigen Gärtner als nach einem Co-Trainer. Benito Floro nahm ihn mit nach Xátiva und später nach Villarreal. Und so fand er sich schließlich beim Levante wieder, wo er die Höhen und Tiefen des Vereins miterlebte. Eine hitzige Auseinandersetzung mit dem damaligen Trainer Preciado führte zu einer überraschenden Freundschaft, die in den legendären “Raconet” mündete.
Der “Raconet”, ein Raum unter der Tribüne, den Raimon in ein Zuhause und ein kleines Museum verwandelte. “Es entstand eine gute und bescheidene Gruppe von Fußballern. Eines Tages fragten sie: ‘Wo essen wir Paella?’ Und so begann es. Paella folgte auf Paella, dann Fotos, Trikots, Stiefel, Erinnerungen. Ich suchte in den Tiefen des Stadions nach historischen Artefakten, um alles zu schmücken.”
Ein besonderes Juwel in seiner Sammlung ist ein Foto von ihm und Manolo Preciado, dem leider viel zu früh verstorbenen Trainer. Auch ein Stück Mauer, das Martín Palermo, den Starstürmer von Villarreal, während der Feier eines Tores in einem Copa del Rey-Spiel gebrochen hat, findet sich dort. “Neugier”, antwortet Raimon schlicht auf die Frage, wie er dazu kam, dieses Stück Mauer aufzubewahren.

Konzerte, feuer und eine legende wird
Nicht nur Fußball prägte Raimons Zeit beim Levante. Auch spektakuläre Konzerte fanden auf dem Spielfeld statt. Ein Feuer zerstörte einige seiner Schätze, darunter ein Foto mit Alejandro Sanz, als dieser noch ein unbekannter Künstler war. Ein Konzert von Bruce Springsteen im Jahr 2006 entwickelte sich zu einem logistischen Albtraum, als das Wetter und die Vorbereitungen für das Spiel gegen Espanyol am nächsten Tag alles durcheinander brachten. “Das war Gartenarbeit vom Feinsten, eine absolute Katastrophe. Heute hätte man das Spiel abgesagt.”
Das Klima in Valencia ist nicht immer der beste Freund des Rasens. Einmal trocknete die Wasserquelle für das Ciutat aus. “Wir bewässerten das Feld mit Eimern vom Rathaus. Der Rasen war kurz vor dem Absterben. Ich betete, dass das Unkraut sprießen würde, um zumindest eine grüne Oberfläche zu erhalten.” Doch viele Erinnerungen überlebten das Feuer, darunter das Trikot von Maradona, das ihm Pablo Cavallero schenkte, oder der Zylinder von Joaquín Sabina, dessen Herkunft bis heute unklar ist.
Raimon wurde sogar einmal von MARCA auf die Titelseite geholt, als der Levante 2011 überraschend die Tabellenführung übernahm. “Wir haben uns das verdient, um in die erste Liga aufzusteigen. Das werden wir immer im Herzen tragen.”
Mit dem Ende seiner aktiven Zeit blickt Raimon voller Vorfreude auf die Zukunft. Er träumt von der Rettung des Levante und freut sich darauf, das Fußballgeschehen nun als Fan zu verfolgen. “Der Levante hat mir ein Leben geschenkt, und ich möchte diese Verbindung nicht verlieren. Es hat sich gelohnt, all diese Jahre hier zu sein.”
