Vingegaard zerstört catalunya-startfeld – morgen folgt die krönung
2400 Meter vor dem Ziel am Santuario de Queralt war für alle außer Jonas Vingegaard Schluss. Der Däne schaltet im Stehen einen Gang höher, bricht das Feld und schickt sich an, innerhalb von fünf Wochen Paris-Nizza und Volta a Catalunya zu packen. Der Vorstoß dauert keine zehn Sekunden, aber er reicht, um Lenny Martinez abzuhängen und Remco Evenepoel zu demontieren, der für Florian Lipowitz tempoarbeitet.

Sechs siege vor saisonmitte – der giro 2026 rückt in den fokus
Die Zahl ist bemerkenswert: sechs Etappensiege, zwei Gesamtwertungen, null Niederlagen auf europäischem Boden. Kein Wunder, dass Visma-Lease a Bike schon jetzt die Nachfolge von Tadej Pogacar proklamiert. Im Visier der Statistiker steht Barcelona: Morgen geht es auf dem Montjuïc um die Gelbe Trikot-Entscheidung der Tour de France – allerdings in der Teamzeitfahren-Variante, bei der die Uhr beim ersten Fahrer stoppt. Drei Taktgeber werden dort erwartet: Vingegaard, Pogacar und Evenepoel.
Die Stunde des Dänen wirft Fragen auf. Wer kann ihn stoppen, wenn er sich bereits im März in Höhenform präsentiert? Die Antwort lautet: wahrscheinlich niemand. Die Konkurrenz schielt nicht nur auf die fehlenden Angriffszonen der letzten Etappe, sondern auch auf die Belastungskurve des 29-Jährigen. Frühzeitige Spitzenleistung birgt das Risiko eines Hängers im Juli – doch Vingegaard lacht das aus. „Ich bin einfach glücklich, dass ich heute alle abgeschüttelt habe“, sagt er mit der Gelassenheit eines Mannes, der genau weiß, dass seine Formkurve steiler verläuft als die Straße nach Queralt.
Die Branche rechnet bereits mit dem Giro 2026. Dort will Visma endlich das Drehbuch umschreiben, das bislang von Pogacars Tour-Epos dominiert wird. Die Insel Capri wird zur Kulisse der Prolog-Etappe, die Dolomiten sollen die Entscheidung bringen – und Vingegaard gilt als Top-Favorit, bevor das Grand-Tour-Jahr überhaupt begonnen hat. Die Logik ist simpel: Wer Catalunya und Paris-Nizza schon im Winterwind dominiert, dem traue man zu, im Frühsommer drei Wochen lang Tempo zu diktieren.
Morgen also die Krönung in Barcelona. Die Uhr tickt nicht nur für die Teams, sondern auch für die Psyche der Rivalen. Wer 2,4 Kilometer vor dem Ziel schon attackiert, wird am Montjuïc wohl kaum zurückschalten. Die Saison ist jung, aber die Machtfrage scheint bereits geklärt.
