Vingegaard steckt im römischen berufsverkehr fest – giro-favorit blockiert

Jonas Vingegaard saß im Stau. Nicht irgendwo, sondern auf dem Grande Raccordo Anulare, Romas berüchtigtem Ring, 75 Minuten lang wie angenagelt. Rosa Trikot, letzter Giro-Tag – und der Mann, der das Rennen gewinnen soll, darf nicht weiter. Das passierte heute früh um kurz nach acht.

Die pizzardoni machten keine ausnahme

Polizia Municipale, hier umgangssprachlich pizzardoni genannt, winkte alle Fahrzeuge der Carovana aus. Red Bull-Bora, Visma-Lease a Bike, Polti-VisitMalta – alles stand still. Auch Vingegaards Begleitwagen und der von Drittplatziertem Jay Hindley. Begründung? Fehlanzeige. Anrufe bei der Rennleitung verpufften. Handys hoch, Livebilder raus: Twitter und Instagram füllten sich mit Selfies aus der Fahrerkabine. Die Ironie: Während sich die Straße in Richtung Stadtkern leerte, stauten sich die Profis.

Teamsprecher versuchten es mit italienischem Charme, dann mit Regelwerk. „Ufficiale Giro d’Italia“ – half nichts. Die Uniformierten blieben stur. Erst als kurz vor neun Uhr ein Streifenwagen vorfuhr und per Funk klärende Worte sprach, rückte die Kolonne an. Vingegaard stieg um, fuhr selbst die letzten Kilometer zum Start, als hätte er einen entspannten Sonntagsausflug vor sich. Keine Spur von Nervosität in seinen Augen, zumindest vor der Kamera.

Fotograf berlingheri schnappt die szene

Fotograf berlingheri schnappt die szene

Dario Berlingheri, seit Jahrzehnten im Fahrerlager unterwegs, hielt den Moment fest: Rosa Trikot, halb ausgestiegen, Blick gen Himmel. Bildlegende: „Der Giro steht still.“ Innerhalb von Minuten wird das Foto zum Meme. Die Kommentarspalte füllt sich mit Sprüchen wie „Selbst der beste Fahrer kann nicht gegen römischen Verkehr gewinnen.“

Das Protokoll der Organisation vermerkt lediglich „Verspätung durch lokale Verkehrslage“. Kein Wort über die eigentliche Ursache. Gerüchte schwirren: Demonstration, VIP-Route, Falschparken eines TV-Motors. Fakt ist: Die letzte Etappenkilometerzählung begann um 10:36 statt 9:30 Uhr. Die Läufer, bereits zum Warmfahren auf den Beinen, mussten umdisponieren. Ein kleines Chaos, das niemand braucht, wenn es um den Gesamtsieg geht.

Um 11:05 Uhr rollte Vingegaard dann doch durch das Zielband. Er hatte es nicht eilig, wirkte gelassen. Vielleicht, weil er wusste: Der Giro ist entschieden, der Stau nur ein Fußnote. Trotzdem: Wer trägt das Rosa, sollte freie Fahrt haben. In Rom gilt das nur für den Papst.