Zwickau wirft die maske ab: absturz trotz blitzstart
30:32 – die Zahlen auf der Anzeigentafel der SAC-Arena brennen sich in die Netzhaut, als hätten sie sich das Ziel gesetzt, eine ganze Saison in zwei einzigen Ziffern zusammenzufassen. Der BSV Sachsen Zwickau verabschiedet sich aus der Handball-Bundesliga mit einer Heimpleite, die sich wie ein Adrenalinstoß anfühlt und dann wie ein Kater endet.
Die erste halbe stunde war pure magie
Norman Rentsch, der Mann an der Seitenlinie, der sonst eher ruhig wirkt, schrie seine Spielerinnen in der 3. Minute schon fast heiser: 3:0 – Zwickau war Feuer und Flamme. Buxtehude sah aus, als hätte es die Reise in den Westen Sachsens nur gemacht, um sich die Landschaft anzuschauen. Doch dann drehte sich das Blatt. Oder besser: Zwickau drehte sich selbst um.
Die Gäste aus dem hohen Norden kamen zurück (10:10/16.), doch Zwickau schien jedes Mal eine Antwort zu haben. 14:11 in der 24. Minute – das Publikum träumte bereits von einem Saisonk Finale mit Happy End. Aber im Sport ist Träumen ein riskanter Zeitvertreib. Zwei Minuten vor der Pause war alles wieder egal: 15:15. Ein Satz, der klingt wie ein Resümee.

Nach dem seitenwechsel kam die wahrheit
Die zweite Halbzeit war das genaue Gegenteil der ersten. Statt Tempo, Mut und Präzision kamen Fehlpässe, technische Patzer und vergebene Siebenmeter. Buxtehude, die Mannschaft, die in der Tabelle nichts mehr zu verlieren hatte, spielte plötzlich wie im Rausch. 21:25 in der 50. Minute – die Lücke war da, und sie war größer als vier Tore. Sie war ein Abgrund.
Silje Brons Petersen, die Dänin mit dem unerschütterlichen Blick, warf elf Tore und tröstete hinterher niemanden. „Wir haben in der zweiten Halbzeit einfach vergessen, warum wir überhaupt hier stehen“, sagte sie knapp. Das war keine Ausrede, das war eine Diagnose.

Acht lebewohl und ein neuanfang
Das Spiel war noch nicht ganz aus, da standen die Spielerinnen schon in einem Kreis, der aussah wie ein Abschiedskomitee. Laura Szabo, die Kapitänin mit der unerschütterlichen Stimme, wird nicht mehr zurückkommen. Barbara Viktoria Györi, Thara Sieg, Kaho Nakayama, Laura Penzes, Charlotte Kähr, Lea-Sophie Walkowiak und Jasmina Gierga auch nicht. Acht Abgänge in einer Nacht – das ist kein Umbruch, das ist ein Cut.
Norman Rentsch stand eine Minute lang allein auf dem Feld, als wollte er sich die letzte Saison noch einmal ansehen. Dann ging er, ohne ein weiteres Wort. Die Saison endet auf Rang zehn. Zehn klingt nach Mittelmaß, aber in Wirklichkeit ist es der Preis für eine Mannschaft, die in der ersten Halbzeit alles hatte und in der zweiten nichts mehr wollte.
Der BSV Sachsen Zwickau hat die Bundesliga verlassen – nicht mit einem Knall, sondern mit einem Flüstern, das sich wie ein Echo anhört. Eine Saison, die so begann wie ein Märchen, endet wie eine Warnung: Träume sind keine Garantie, sie sind nur eine Chance. Und manchmal nutzt man sie nicht.
