Vingegaard schaltet auf angriff: ayuso raus, gelb eingepackt

Jonas Vingegaard hat auf der vierten Etappe von Paris–Nizza den Turbo gezogen und sich die Führung geholt. Der Visma-Lease-a-Bike-Kapitän setzte auf der ersten Bergankunft in Uchon seinen Sprint früher als alle anderen – und ließ die beiden Red Bull-Bora-hansgrohe-Kopfgelder Daniel Felipe Martínez und Tim van Dijke stehen. Gelb ist sein. Dahinter zerbarst die Rundfahrt für Juan Ayuso.

Der Spanier von Lidl-Trek rutschte auf nasser Asphaltlage weg, prallte hart auf und blieb liegen. Die Krankenwagen-Männer bandagierten das rechte Knie, doch Ayuso konnte nicht mehr in die Pedale treten. Aus. Vorbei. Das Gelbe Trikot wechselt in dänische Hand – und mit ihm die Machtverhältnisse im Rennen.

Die zahl des tages: 32 sekunden

So viel Vorsprung hatte Vingegaard auf Martínez und van Dijke, als er die Zielaufstiege von 8,3 Prozent in Angriff nahm. 32 Sekunden, die reichten, um dem Duell der beiden Red-Bull-Kollegen die Spitze zu nehmen und sich selbst ins Rampenlicht zu stellen. Die Visma-Truppe hatte die Etappe von Anfang an kontrolliert, das Tempo in der Côte de la Croix de Part verschnellernd, bis nur noch eine Handvoll Fahrer übrig war.

Doch hinter dem Triumph lauert ein Schatten. Ayusos Sturz war kein harmloser Rutscher. Teamchef Kim Andersen sprach von „einer Prellung am Knie und offenen Schürfwunden“, eine definitive Diagnose steht noch aus. Fest steht: Ohne seinen Kapitän muss Lidl-Trek die Rundfahrt neu erfinden. Der 22-Jährige galt als Geheimfavorit auf den Gesamtsieg, hatte das Gelbe Trikot erst 24 Stunden zuvor im Mannschaftszeitfahren erobert.

Was das rennen jetzt bringt

Was das rennen jetzt bringt

Mit Ayuso raus und Vingegaard vorne wird die Generalprobe für die Tour de France zur Machtprobe. Der Däne kennt die Nervenlage der letzten Juliwoche, hat 2024 fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Paris–Nizza ist für ihn kein Nebenjob, sondern ein Statement. Die Konkurrenz weiß, dass er Bergwertungen nicht nur übersteht, sondern dominiert. Wer ihm jetzt folgen will, muss Risiken eingehen – und genau das treibt die Zuschauer in den Bahnhof von Uchon zur Raserei.

Die restliche Woche verspricht offene Rechnungen. Mit Martínez und van Dijke hat Red Bull zwei Karten, Visma nur eine – aber eben die Gelbe. Die Wetterlage bleibt unbeständig, die Pisten sind rutschig, und die Zeitfahr-Duelle kommen noch. Wer jetzt zögert, verliert. Wer jetzt angreift, kann Geschichte schreiben. Vingegaard hat den ersten Schritt getan. Ayuso kann nur zuschauen – und heilen.