Vingegaard rast über pyrenäen hinweg und schlägt lippowitz-klatsch nieder
Jonas Vingegaard schraubte sich am Freitag in ein anderes Universum. 4 100 Höhenmeter, fünf Anstiege, ein Sturm, der die letzte Rampe kürzte – nichts reichte, um den Dänen zu bremsen. Mit 2,1 Kilometern noch bis zum Ziel explodierte er aus dem Sattel, riss den Vorsprung in Sekundenbruchteilen auf 25 Sekunden und trug sich das rote Trikot der Volta a Catalunya auf die Haut.
Lippowitz zwingt evenepoel in die zweite reihe
Was danach geschah, wird in den WhatsApp-Gruppen der Peloton-Insider heiß diskutiert. Florian Lipowitz, 22, Neo-Pro bei Soudal-Quick-Step, startete als Locomotive für Remco Evenepoel, endete als dessen Schatten. Als Vingegaard das Tempo verdoppelte, konnte der Belgier nicht einmal das Rad des Bayern packen. Lipowitz dagegen schaltete zwei Gänge höher, überholte den Captain und sprintete später auf Rang vier ins Ziel. 37 Sekunden vor Evenepoel. Ein Machtwechsel in Echtzeit.
Die Krönung der Pyrenäen-Schlacht begann harmlos. Marc Soler, Davide Piganzoli, Giulio Ciccone und Einer Rubio entfachten ein Frühjahrsfeuer, doch das Feld ließ keinen Meter Durchkommen. Der Vorsprung pendelte sich bei schmeichelhaften zwei Minuten ein – ein Kondensstreifen, nicht mehr.

Abfahrt wird zur geisterbahn
Die Abfahrt zum Port-Ainé wurde zur Geisterbahn. Georg Steinhauser, frisch gebackener Weißtrikot-Träger von Paris–Nizza, rutschte in einer 90-Grad-Kurve weg, Thomas Pidcock und João Almeida folgten. Alle drei remontierten, doch ihre Haut warf neue Schrammen ab. Der Wind peitschte über die Baumgrenze, die Streckenposten zogen die Bande zurück – zwei Kilometer weniger Horror, aber nicht weniger Drama.
Felix Gall, der neue Österreicher-Hoffnungsträger, verpasste das Happy End um 51 Sekunden. Lenny Martinez schaufelte sich mit 1:01 Minuten Rückstand Platz drei, Lipowitz folgte mit exakt derselben Differenz. Evenepoel schob sich mit hängenden Schultern über die Linie – 1:38 Minuten. Die Chronometer sprechen eine deutliche Sprache: Wer nicht mit Vingegaard kann, verliert eine Minute pro steilem Kilometer.

Sixpack mit 4 000 höhenmetern wartet
Die Gesamtwertung? Vingegaard 57 Sekunden vor Gall, Martinez bei 1:09, Lipowitz nur vier Sekunden dahinter. Noch sieben Sekunden trennen den Bayern von Evenepoel. Die Bombe tickt.
„Ich fühlte mich zuerst leer, als hätte jemand meine Beine ausgepumpt“, sagte Vingegaard mit zitternder Stimme. „Auf dem letzten Anstieg kam plötzlich Saft in den Tank. Jetzt heißt es schlafen, essen, strecken – morgen geht’s wieder auf 4 000 Höhenmeter.“
Sonnabend, 169 Kilometer, fünf Gipfel, Ziel oben auf Lo Port. Die Ingenieure der Volta haben dem Feld ein Sixpack aus Steigung serviert. Lipowitz darf erneut fahren, was er will – Quick-Step wird sich fragen, wem sie eigentlich dienen. Evenepoel muss antworten, sonst steht er bald nicht nur im Schatten seines Helfers, sondern auch außerhalb des Podest-Lichts.
Barcelona ruft am Sonntag, doch vorher droht in den Katalonischen Alpen ein weiterer Krieg. Und Kriege entscheiden sich auf den Steilstücken, nicht im Schatten der Sagrada Família.
