Vieri wirft die bombe: inter bei remis meister, milan braucht leao-show

Christian Vieri zündet vor dem Derby della Madonnina die nächste Stufe: „Wenn Inter punktet, ist die Meisterschaft gelaufen – zehn Punkte Vorsprung mit zehn Spielen sind einfach nicht mehr einholbar.“ Der ehemalige Nerazzurri-Stürmer sprach mit Gazzetta dello Sport und lieferte die Härte-Komponente, die das 1-gegen-1 der Stadtrivalen am Sonntag (20.45 Uhr, San Siro) endgültig entfacht.

„Inter darf keine rechnerei anfangen“

Die Tabellenlage ist klar: Inter führt mit neun Punkten, hat die bessere Tordifferenz und könnte bei einem Unentschieden den Vorsprung auf zwölf Zähler ausbauen. Vieri warnt trotzdem vor Selbstzufriedenheit. „Eine Mannschaft wie Inter darf nie priorisieren, ob sie jetzt eher der Champions League oder dem Scudetto hinterherjagt. Wer so denkt, verliert am Ende beides“, sagt er und spielt damit auf die vergangenen Saisonen an, in denen Inter sich in der Königsklasse blamierte.

Die Statistik spricht für die Simone Inzaghi-Elf: Gegen die unteren Tabellenhälfte kassierte Inter erst neun Punkte – Milan holte nur fünf. Doch im direkten Vergleich lastet ein Geist auf den Schwarz-Blauen: Seit zwei Jahren wartet Inter auf einen Derbysieg. „Zufall“, fegt Vieri Bedenken beiseite. „Wenn du so dominant bist wie Inter, ist so eine Serie nur eine Fußnote.“

Milan muss risiko eingehen – sonst war’s das

Milan muss risiko eingehen – sonst war’s das

Massimiliano Allegri setzte in dieser Saison durchgehend auf 3-5-2 und schaltet erst während des Spiels auf 4-3-3 um. Vieri fordert: „Um Inter zu schlagen, muss Milan aktiv auftreten. Hinten einbunkern und auf Konter warten reicht nicht – das haben wir im Hinspiel gesehen.“ Durch einen Kontertreffer von Olivier Girourdi gewannen die Rossoneri trotz 2:20-Schüssen.

Schlüsselfigur ist Rafael Leao. „Er muss so oft wie möglich den Ball bekommen und aufs Tor zulaufen. Punkt. Mehr Denken vernebelt ihn“, sagt Vieri. Der Portugiese selbst hatte die Partie als „Frage von Leben und Tod“ bezeichnet – eine Hyperbel, die Vieri mit einem Schulterzucken quittiert: „Er wollte die Mannschaft anheizen. Gute Absicht, aber ein Derby braucht keine Rede, es erledigt sich selbst.“

Lautaro fehlt – und das tut weh

Lautaro fehlt – und das tut weh

Während Milan auf Leao bauen kann, fehlt Inter mit Lautaro Martinez der Turbo. Der Argentinier zog sich eine Oberschenkelzerrung zu und fällt rund drei Wochen aus. „Er ist der beste Neuner Italiens – und Hojlind der einzige, der ihm das Wasser reichen kann“, sagt Vieri. „Aber Inter hat endlich eine Bank, die mitspielt. Pio Esposito ist kein Rohdiamant mehr, sondern bereit für 90 Minuten Dampf.“

Esposito, 20, traf in dieser Saison dreimal als Joker. Vieri mahnt: „In Italien vergessen wir, wie jung er ist. Seine Bewegungen sind weicher geworden, weil er jeden Tag mit Lautaro und Thuram trainiert. Aber er braucht sieben, acht Flanken pro Halbzeit – sonst siehst du nur seine Frisur.“

Die rekorde, die fallen könnten

Die rekorde, die fallen könnten

Federico Dimarco liefert diese Flanken. Mit 62 Key-Passes steht der Linksverteidiger vor einem neuen Klubrekord. „Er ist der beste Flankengeber Europas, keine Frage. Und dieses Jahr trifft er auch selbst – weil Inter mit sieben, acht Leuten gleichzeitig stürmt“, schwärmt Vieri.

Im Mittelfeld kämpfen Nicolo Barella und Hakan Calhanoglu mit dem Rhythmus. „Barella wirkt ein Stück weg – 40 Partien seit August hinterlassen Spuren. Aber wenn Calhanoglu durchläuft, wird Inter zu einem anderen Orchester“, analysiert Vieri.

70.000 Pfiffe für rabiot – und die bastoni-falle

70.000 Pfiffe für rabiot – und die bastoni-falle

Milan verpflichtete Adrien Rabiot als Transfer-Coup. In der Woche feierte er vor 200 Fans am Airport, was auf TikTok viral ging. Domenica erwartet ihn ein Kessel. „Rabiot wird überall ausgepfiffen, 70.000 Menschen werden ihn beschimpfen – das ist Teil des Spiels. Alessandro Bastoni hat sich für seine Schwalbe entschuldigt, das reicht. Wer in der Kurve steht, kann keine Heiligen erwarten“, sagt Vieri.

Die tabelle lügt nicht – und doch gibt’s ein aber

Die tabelle lügt nicht – und doch gibt’s ein aber

Verliert Inter, schrumpft der Vorsprung auf sieben Punkte. Der Restkalender: Inter trifft auf Atalanta, Roma und Como – Milan muss gegen Napoli, Juve und Atalanta ran. „Ich rechne nicht mit Wenn und Aber“, sagt Vieri. „Fakt ist: Bei sieben Punkten müsste Inter dreimal patzen und Milan alles gewinnen. So eine Serie hat in der Geschichte der Serie A noch keiner geschafft.“

Die letzte Frage: Wen würde er lieber coachen – Allegri oder Chivu? Vieri lacht. „Klopp. Aber der trainiert nicht mehr und ich spiele nicht mehr. Also: Ende der Fantasie.“ Für Inter beginnt nach dem Derby die Realität. Und die sieht zurzeit schwarz-bleu aus.