Vfl schließt werder-fans aus: mitgliedspflicht entzweit die liga
Der VfL Wolfsburg hat genug von fremden Farben im heiligen Grün. Nachdem beim 1:2 gegen den HSV ganze Blöcke der VW-Arena in Hamburg-Weiß versanken, verlangt der Klub für das nächste Abstiegs-Fegefeuer gegen Werder Bremen zwangsläufig Clubmitgliedschaft – und spaltet damit die Fanszene.
Die Kernaussage: Ohne Mitglied kein Ticket, außer man besitzt bereits eine Dauerkarte. Punkt. 28 917 Plätze minus 2 950 Gästetribüne ergibt eine Heimfestung, wie sie radikaler kaum sein könnte.
Der hsv als lehrstück: 10 000 unerwünschte gäste
Beim verrufenen Nord-Derby schwappte ein menschlicher Tsunami durchs Stadion. Trikots unter Jacken, Schals in Rucksäcken, dazu Gesänge, die selbst auf der VIP-Tribüne das Bier zum Schäumen brachten. Ordner mussten rund 100 Rauswürfe vornehmen, darunter ein Vorstandsmitglied des HSV. Die Vorfälle reichten bis in die Logen, wo sich Funktionäre gegenseitig anstießen – und nicht im humorvollen Sinne.
Die Stadionordnung des VfL ist eindeutig: § 7 verbietet Gästefans in Heimbereichen. Doch wer kontrolliert schon die Gedanken hinter einem neutralen Gesicht? Offensichtlich zu wenige, wie sich zeigte.

Die bremen-falle: grün-weiß auf grün-weiß
Die Farbverwechslung ist perfekt. Werder trägt dieselben Töne wie die Wölfe, weshalb das Sicht-Verbannungsmodus diesmal versagt. Also setzt der VfL auf Exklusion durch Geld: eine Jahresmitgliedschaft ab 49 Euro wird zur Eintrittskarte. Die digitale Warteschlange auf der Klubwebseite füllt sich seither mit Postleitzahlen aus Bremen und Umzu. Falls sich diese „Neu-Wölfe“ beim Bezahlvorgang verplappern, fliegen sie raus – zumindest aus dem Ticketshop.
Intern nennt man die Aktion „Projekt Sicherer Hafen“. Kritiker sprechen von „Apartheid auf Karton“. Die Deutsche Fußball Liga schaut erneut machtlos zu. Denn rechtlich steht dem Club frei, seine Karten wie Edelsteine zu verteilen.

Die kreativpreise steigen: mitgliedsanträge mit bremer akzent
Laut Sport BILD gingen beim VfL in den vergangenen sieben Tagen rund 1.200 Anträge aus dem Bremer Umland ein – ein Sechsfaches zum Vorjahresdurchschnitt. Die Kommentarspalten kochen: „Wenn das so weitergeht, kaufen wir uns einfach den ganzen Club“, schreibt ein User mit Weser-Stadion-Profilbild. Andere fordern einen Bundesliga-weiten Boykott der Auswärtsfahrten nach Wolfsburg.
Die Wölfe selbst halten dagegen: „Der Schutz unserer Heimfans hat Priorität“, sagt ein Vereinssprecher, ohne den Blick von der Statistik zu nehmen. Denn wer in den letzten Heimspielen 3 000 Gästefans zählte, konnte sich über Siege freuen. Bei 10 000 wird es ungemütlich – und laut.
Die schlusszahl: 2 950
Genau so viele Tickets sind offiziell für Werder reserviert. Alles andere ist Wolfsburg-Territorium, zumindest auf dem Papier. Ob sich das Blatt wendet, entscheidet sich am Samstag, 15:30 Uhr. Dann zeigt sich, ob der Plan aufgeht – oder ob wieder ein grün-weißer Teppich die Autostadt rollt. Die 19. Bundesligaspieltag-Statistik wartet schon: In den letzten zehn Jahren gewann die Mannschaft mit der höheren Heimfan-Dichte 72 % der Abstiegsduelle. Die Wölfe haben die Rechnung gemacht, jetzt müssen nur noch die Tore stimmen.
