Steinhauser krönt seuchenjahr mit paris-nizza-podium: der comeback-kampf ist realität

Georg Steinhauser ist zurück. Nicht mit einem leisen Plätschern, sondern mit dem Weißen Trikot und dem dritten Platz in Paris-Nizza – einem Ergebnis, das ihm selbst die Sprache raubt. „Letztes Jahr war ich ganz unten, jetzt bin ich ganz oben“, sagte der Allgäuer nach der Schlussetappe und wischte sich Regen und Staub vom Gesicht. Nach Monaten der Borreliose, nach Bauchschmerzen und Kniepanik ist das der erste richtige Schlag seiner Saison.

Die vierte etappe war sein tag der rache

Es war ein Ritt durch die Hölle. Regen peitschte das Feld, Sturz von Juan Ayuso, Fahrtwind, der das Peloton zerreißt wie Papier. Steinhauser lag hinten, dann ganz allein – 30 Kilometer Verfolgungsjagd hinter dem Red-Bull-Zug und Jonas Vingegaard. Was folgte, war keine Show, sondern reine Arbeitsmoral. Er rollte als Fünfter ein, rutschte auf Rang drei im Klassement – und ließ es nicht mehr los.

Kévin Vauquelin, sein letzter Verfolger im Kampf ums Podium, gratulierte mit nassen Augen. „Ich hatte Glück, einen guten Tag erwischt“, sagt Steinhauser, aber das war kein Glück. Das war die Antwort auf ein Jahr, in dem ihm sein eigener Körper Verrat übte.

Der giro-sieg von 2024 war nur der anfang

Der giro-sieg von 2024 war nur der anfang

Die Szene am Passo Brocon – das war der Moment, als alle wussten: Der Junge kann Grand Tours. Dann kam 2025. Die Saison, die nie startete. Die Knie, der Darm, die Borreliose. Kein Training, keine Wettkampfrhythmik, nur Arzttermine und Frust. „Im Radsport gibt es immer viele Auf und Abs“, sagt er. Dieser Satz klingt lapidar, ist aber sein Lebensmotto.

Paris-Nizza war der erste Beweis, dass der 24-Jährige nicht nur ein Etappenjäger ist, sondern eine Woche lang mit der absoluten Spitze mithalten kann. Hinter Vingegaard und Martínez – das ist kein Zufalls-Podium, das ist ein Statement.

Nächster halt: die tour de france

Nächster halt: die tour de france

Die Longlist seines Teams EF Education steht. Steinhauser ist drauf. Kein Automatismus, sondern eine Bewerbung mit Muskeln. Sein 22. Platz in der UAE Tour war nur die Eintrittskarte, das Weiße Trikot in Nizza ist das Referenzschreiben. Wer eine Woche lang bei Wind, Regen und Angriffen standhält, der kann auch drei Wochen im Juli überleben.

Steinhauser selbst redet noch nicht laut über die Tour. Aber seine Augen verraten ihn. Er will zurück nach Frankreich, zurück auf die große Bühne. Und diesmal will er nicht nur eine Etappe gewinnen – er will in Paris stehen, mit dem Peloton im Rücken und dem Gefühl, dass das Schlimmste hinter ihm liegt.

Die Saison ist jung, aber ihre Richtung ist klar: nach oben. Und wer Georg Steinhauser kennt, weiß: Einmal oben, wird er nicht mehr freiwillig runterfahren.