Vfl gummersball schreibt europas traum fort – schluroff zündet den turbo

31:24 gegen MT Melsungen, Tabellenplatz vier, drei Punkte Richtung Champions League: Der VfL Gummersbach lebt den Europa-Trip im Dauertakt. Miro Schluroff ballert, träumt, leitet – und schweigt nicht über das Ziel.

Schluroff schaltet in minute 36 den modus „unerreichbar“

Lange wirkte Melsungen wie ein Schatten, der den Gummersbacher Lichtkegel nur kurz verengt. Dann warf Schluroff sechs Tore, servierte zwei Kreuzstäbe quer und zerlegte die MT-Deckung in Einzelteile. „Die Abwehr plus unser Torhüter-Duo bilden eine Mauer mit Tresorcharakter“, sagte er nach dem Abpfiff. Die Statistik bestätigt: seit fünf Spielen kassiert der VfL im Schnitt nur 24,4 Treffer – die Liga schaut neidisch.

Die Serie hat Geschmack. Nach Lemgo kommt jetzt Hannover-Burgdorf, danach Bergischer HC, Wetzlar und Leipzig. Erst dann der Showdown bei den Füchsen Berlin. Ein Programm, das sich anfühlt wie ein Vorbereitungslehrgang für internationale Abende. Die Reform der Champions League verspricht der Bundesliga drei Startplätze – der Vierter hätte realistische Karten auf Quali-Runden. Schluroff findet das „attraktiv, aber kein Selbstläufer“.

Stimmung im kader: „wir puschen uns wie auf einem klettergurt“

Stimmung im kader: „wir puschen uns wie auf einem klettergurt“

Erfolg nährt Atmosphäre, Atmosphäre nährt Erfolg. Schluroff beschreibt die Kabine als Dauerkraftwerk: „Wenn einer durchhängt, ziehen zwei andere hoch.“ Die Choreografie funktioniert, weil keiner Solo tanzt. Trainer Emir Kurtagic forciert Rollenklarheit, der Kader liefert Disziplin. Das Ergebnis: zwei Siege innerhalb von fünf Tagen gegen direkte Konkurrenten, neun Punkte Vorsprung auf Platz sieben, der Europacup-Keller rückt in Sicherheitsdistanz.

Am Horizont schimmert die Königsklasse, doch Schluroff bremst den Jubel: „Erst wollen wir den Europapokal fest im Griff. Alles andere ist Projektion.“ Realistisch, aber nicht weniger hungrig. Die Fans in der Schwalbe-Arena spüren, dass der Traditionsklub nach Jahren der Mittelmäßigkeit wieder Tritt fasst. Gegen Melsungen verkaufte der Club 4.300 Tickets – Rekord der Saison. Die nächsten Heimspiele sind bereits auf „Kartenalarm“ gesetzt.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 22 Punkte aus 13 Spielen, beste Rückrunden-Ausgangsposition seit zwölf Jahren. Wenn Gummersbach die Hansestädter und westlichen Verwandten nacheinander abhakt, dürfte Ende Mai die Reiseplanung beginnen. Schluroff lächelt verschmitzt: „Wir wissen, wohin der Flieger fliegen könnte – aber erst einmal tanken wir gegen Hannover neuen Treibstoff.“ Der Kurs steht: Europa, mit Zwischenlandung Selbstvertrauen.