Vfb schüttelt porto-frust ab und jagt bayern im rennen um die champions league
Die Europacup-Trauer währte genau 72 Stunden. Dann trat der VfB Stuttgart in Augsburg die Angst vor der Zukunft mit Stollenschuhen in den Rasen. 5:2 beim bisher ungeschlagenen Heimmacht Fuggerstädter – und schon wieder ist die nächste Bestmarke fällig: Rang drei, 18 Punkte aus den letzten sieben Spielen, Undav auf Tor-Kanonen-Kurs. Kein Wunder, dass Sebastian Hoeneß nach der Partie grinst wie ein Fuchs, der gerade die Schlüssel zum Hühnerstall gefunden hat.
Undav dreht auf: sein längstes torfeuer seit der u15
Deniz Undav hätte auch zwei Hütchen auf dem Kopf tragen können – Augsburgs Abwehr hätte ihn trotzdem nicht gefunden. Sein Treffer zum 1:0 war bereits das sechste Spiel in Serie mit einem eigenen Tor. Die letzte deutsche Stürmer-Serie, die so erinnert, stammt aus dem Werk von Robert Lewandowski. Und dabei redet keiner über „Form“, sondern über Selbstverständlichkeit. 18 Bundesliga-Tore bedeuten Rekord, Länderspiel-Nominierung und die Ruhe, die ein Team braucht, wenn es gegen Bayern und Leipzig um Milliarden-Plätze geht.
Die Antwort des FCA kam zwar durch Rieder und Kade, doch jedes Mal hatte Stuttgart schon die nächste Patrone in der Kammer. Angelo Stiller, bislang eher der leise Dirigent, leitete mit einem Traumpass das 2:0 ein und bugsierte sich damit selbst ins Nationalteam. „Wenn du so einen Ball spielst, darfst du auch mal Pause machen beim Taktik-Film“, sagte Hoeneß später trocken. Der 23-Jährige rückt für den verletzten Pavlovic nach – und plötzlich steht er eine Woche später im gleichen Kader mit Joshua Kimmich.

Augsburgs heimserie begraben – mit vfb-siegen wird tradition
Die acht Heimspiele ohne Niederlage, ein Vereinsrekord, der nun Geschichte ist? Das haben wir schon 2012 erlebt, als Stuttgart ebenfalls in Augsburg gewann und die Saison mit Europapokal versüßte. Die Parallelen sind kein Zufall, sondern Programm. Mit 57 Zählern aus 27 Spielen liegt der VfB sogar vor dem Rekordjahr 2007, als die Schwaben Meister wurden. Und weil Bayern an diesem Wochenende stolperte, schrumpft der Rückstand auf Platz zwei auf vier Punkte.
Die Chemie stimmt, die Bank jubelt mit, und sogar der sonst so analytische Hoeneß lässt sich auf der Pressekonferenz ein spontanes Lachen abringen, als ein Reporter Sport-BILD zitiert. „Wenn dann natürlich Sport BILD!“, ruft er und spielt damit auf die Schlagzeilen über mögliche Unruhe an. Doch es gibt keine. Es gibt nur noch ein Restprogramm, in dem Stuttgart gegen Mainz, Darmstadt und Bochum alles in der eigenen Hand hat. Die Champions-League-Millionen rücken in greifbare Nähe – und mit jedem Tor von Undav wird der Frust von Porto ein kleines bisschen kleiner.
