Verstappen jagt den titel mit red bulls erstem eigenmotor – und plant schon den ausstieg
Max Verstappen bremst nicht. Am Sonntag startet in Melbourne die Formel-1-Saison 2026 – und der viermalige Weltmeister tritt mit einer Power-Unit an, die noch keinen Kilometer Rennluft gesehen hat. Die RB22 ist die erste komplette Antriebseinheit aus Milton Keynes, entwickelt von Red Bull Powertrains mit Ford als Technologiepartner. Für Verstappen ist das kein Neustart, sondern eine Wette auf seine eigene Legende.
Der motor, der keinen spielraum lässt
Die Testfahrten in Bahrain verliefen ruhig, zu ruhig. 4.286 Kilometer ohne Boxenstopp, kein Ölnebel, kein Turbo-Platzer. Die Ingenieure jubelten. Doch wer die Daten kennt, weiß: Auf dem Papier fehlt noch ein gutes drei Zehntel zur Mercedes- und Ferrari-Effizienz. Das ist eine halbe Welt, wenn DRS-Züge in Melbourne über 330 km/h gehen. Verstappen selbst sagt: „Die Zuverlässigkeit stimmt, aber die Zeiten müssen noch stimmen.“ Dahinter verbirgt sich die Angst, dass Red Bull erstmals seit 2022 nicht der Maßstab ist.
Das Regelwerk 2026 schafft den MGU-H ab, reduziert die elektrische Leistung auf 350 kW und erlaubt nur noch 100 kg E-Fuel pro Wochenende. Die Motoren werden kleiner, heißer, anfälliger. Für Red Bull bedeutet das: Null Erfahrung im Rennbetrieb gegen Konzerne, die seit Jahrzehnten Lösungsmittel in Brennräume pumpen. Adrian Neweys Aerodynamik kann nur dann wirken, wenn der Motor die Energie auch freigibt. Und genau dort zieht Verstappen seine persönliche Nuklearklausel.
Verstappens ausstieg steht schon in den unterlagen
Sein Vertrag läuft bis 2028, doch die Klauseln sind kristallklar: Fällt Red Bull nach fünf Rennen mehr als 50 Punkte hinter die Tabellenspitze zurück, darf Verstappen ohne Ablöfe gehen. Die Leasingrate: 20 Millionen Euro pro Saison. Mercedes-Chef Toto Wolff hat die Unterlagen längst liegen. Auch Ferrari bastelt an einem Dreierpack mit Leclerc und Hamilton, das 2027 platzieren würde. Aston Martin wirbt mit Newey – und dem Versprechen, 2026 mit einem Carbon-Chassis 15 Kilogramm leichter als die Konkurrenz zu fahren.
Verstappen selbst schweigt zu den Gerüchten. Stattdessen trainiert er in Monaco mit Simulationsläufen, bei denen er jeden Bremspunkt um drei Meter versetzt, um die neue Energie-Rückgewinnung auszuloten. Die Zahlen sind brutal: Wer 2026 zwei Rennen gewinnt, hat 48 Punkte auf dem Konto. Wer wie 2025 mit acht Siegen nur Zweiter wird, landet trotzdem vor dem Rechtsberater. Verstappen weiß: Er muss sofort liefern, sonst wird er zum Handelsgut.
Die Stunde Null in Melbourne wird entscheiden, ob die RB22 ein Siegermotor ist oder nur ein teures Prestigeprojekt. Verstappen hat 71 Grand-Prix-Siege auf dem Buckel. Der 72. könnte seiner Karriere die Richtung geben – weg von Red Bull, hin zu dem Team, das ihm den fünften Titel garantiert. Die Uhr tickt. Die Lichter gehen aus. Und hinter der Startaufstellung lauert schon der nächste Vertrag.
