Var-geisterspiele: verwirrung um die "puppen"!

Die Unruhe wächst: Immer mehr Fans und Teams äußern Zweifel am neuen, semiautomatischen Abseitsregelwerk. Die vermeintlich objektive Technologie wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet. Nun hat sich Eduardo Prieto Iglesias, ehemaliger Schiedsrichter, aktuelles Mitglied des CTA und VAR-Leiter, in "Tiempo de Juego" zu Wort gemeldet – und versucht, das Dickicht etwas zu lichten.

Die "puppen" sind nur zur veranschaulichung

Die "puppen" sind nur zur veranschaulichung

Im Zentrum der Kritik stehen die animierten Abbildungen, die im Fernsehen gezeigt werden, um die Abseitspositionen zu verdeutlichen. Prieto Iglesias räumte ein, dass diese sogenannten "Puppen" lediglich eine visuelle Darstellung sind. "Diese Abbildungen sieht man ausschließlich im Fernsehen. Die Entscheidung wird nicht aufgrund dieser virtuellen Rekonstruktion getroffen. Es ist lediglich eine Darstellung dessen, was auf dem Spielfeld passiert ist." Das muss erst einmal so richtig sacken.

Doch wie entscheidet das System wirklich? Prieto Iglesias erklärte den Prozess: "Die Entscheidung wird durch das semiautomatische Abseitsregelwerk getroffen. Das System zieht Linien, wählt den entscheidenden Frame aus, überprüft die Positionen von Angreifer und Verteidiger. Erst wenn der VAR diese maschinelle Entscheidung validiert, wird die Rekonstruktion für die Zuschauer freigegeben, damit diese nachvollziehen können, was geschehen ist." Ein komplexer Ablauf, der offenbar zu vielen Fehlinterpretationen führt.

Die Technologie ist da, um strittige Situationen zu klären, doch stattdessen schürt sie weitere Zweifel. Prieto Iglesias gab zu, dass das System tatsächlich Fragen aufwirft: "Es ist richtig, dass es einige Zweifel ausgelöst hat, das ist offensichtlich." Die Aufgabe der Verantwortlichen besteht nun darin, diese Verwirrung abzubauen, denn die Transparenz ist das A und O. Die Einführung des VAR sollte die Akzeptanz der Schiedsrichterentscheidungen erhöhen, führt aber in vielen Fällen zu dem Gegenteil – zu einer wachsenden Frustration und dem Gefühl der Ungerechtigkeit.

Die Technologie ist nur ein Werkzeug, aber der Mensch muss damit umgehen können. Erst wenn die Fans verstehen, warum eine Entscheidung getroffen wurde, kann der VAR seine eigentliche Aufgabe erfüllen: die Fairness des Spiels zu gewährleisten. Die Diskrepanz zwischen dem Anspruch der Technologie und der Realität ist dabei frappierend. Denn solange die Bilder im Fernsehen mehr Fragen aufwerfen als sie beantworten, bleibt der VAR ein Ärgernis, kein Segen.