Var zerstört den fußball: richter abseits-entscheidung lässt bayern-heimspiel platzen

Es war die 93. Minute, das Stadion tobte, die Bayer-Profis lagen sich in den Armen – dann kam der Killerpfeif. Der VAR erstickt den vermeintlichen Siegtreffer mit einer Millimeter-Entscheidung, und plötzlich ist wieder klar: Der Videobeweis macht den Fußball nicht gerechter, er macht ihn kaputt.

Die szene, die alte wunden aufreißt

Florian Wirtz zirkelt die Kugel in den Winkel, die Leverkusener Bank explodiert, doch im Kölner Keller leuchtet rot. Das Schultereckgelenk von Patrik Schick war eine Rasierklinge zu weit vorgeglitten – Abseits, sagt die Linientechnik. Die Bayern atmen auf, die Werkself verzweifelt. Es ist das perfekte Beispiel für das, was Didi Hamann als „Humbug“ bezeichnet. Der Ex-Nationalspieler donnert bei Sky: „Wir haben Emotionen verloren, alles, was den Fußball ausmacht.“

Hamann spuckt Gift und Galle. Für ihn ist der VAR ein „technokratisches Monster“, das die Seebe des Spiels aussaugt. „Mein Fußball ist das nicht“, brüllt er in die Kamera. Die Bilder zeigen Trainer Julian Nagelsmann, wie er den vierten Offiziellen anbrüllt – zwei Platzverweise zuvor, nun das aberkannte Tor. Der FC Bayern rettet das 1:1, aber die Debatte ist wieder offen wie nie.

Die zahlen, die niemand hören will

Die zahlen, die niemand hören will

Seit der Einführung 2017 haben die Videokontrolle 1.847 Tore kassiert, 312 Spieler wegen Millimeter-Abseits jubeln lassen und dann traurig werden lassen. Die Durchlaufzeit pro Prüfung: 82 Sekunden. Das sind 82 Sekunden, in denen Stadien erstarren, Fans pfeifen und Spieler wie auf dem Präsentierteller stehen. Die Ironie: Fehlentscheidungen gibt es trotzdem – nur eben in Zeitlupe.

Uli Hoeneß tobt im Mixed-Zone-Gewirr: „Das war die schlechteste Leistung eines Schiri-Teams, die ich je erlebt habe.“ Er spricht nicht nur von den Karten, er spricht von der Angst, die Technik in die Köpfe der Unparteiischen gesetzt hat. Schiedsrichter schauen nicht mehr, sie warten. Spieler feiern nicht mehr, sie zögern. Das Spiel ist lahmgelegt von Sekunden stiller Hypnose.

Die frage, die bleibt

Die frage, die bleibt

Wer profitiert? Niemand. Die Liga verliert Dramatik, die Vereine Punkte, die Fans Glauben. Und die, die sagen, der VAR mache es „gerechter“, müssen erklären, warum gerade der Rekordmeister von zwei Rots und einem aberkannten Tor profitiert. Die Antwort ist ein Schulterzucken und die nächste Diskussion am Sonntagabend.

Die Saison ist jung, der VAR ist alt. Aber er ist noch lange nicht am Ende – und der Fußball auch nicht. Nur ist er eben ein anderer: lauter, technischer, kälter. Die 93. Minute von Leverkusen war nur ein weiterer Beweis. Der Ball war im Netz, die Freude abgepfiffen. Der Sieg zählt nicht, die Wut bleibt. So sieht der moderne Fußball aus: korrekt bis zur Unmenschlichkeit.