Vanessa voigt jagt in oslo den flow und das erste podest seit 2024
Nach 18 Monaten im
Schatten will Vanessa Voigt in Oslo endgültig zurück aufs Podest – und genau das letzte Weltcup-Wochenende der Saison dafür nutzen. Die Thüringerin lacht wieder, sprintet wieder, trifft wieder.
Der dieselmotor zündet auf der zielgeraden
Die 27-Jährige schießt in dieser Saison mit 92 % Trefferquote – nur Lisa Vittozzi ist besser. Doch lange reichte die Präzision am Stander nicht, weil die Beine zuvor mitgenommen waren. In Otepää war plötzlich beides da: saubere Nuller und die viertschnellste Laufzeit der Verfolgung. „Ich bin wieder der alte Dieselmotor“, sagt Voigt und meint damit keine Marketing-Lüge, sondern die Tatsache, dass sie 15 km lang ein konstantes Tempo wie ein 500-Tonnen-Schiff auf Autobahn-Niveau vorlegen kann.
Die Zahlen sprechen für sich: Im Dezember 2024 stand sie zuletzt auf dem Podest. Danach folgten Lungenentzündung, Burn-out, Fragezeichen hinter der Karriere. „Ich habe mitten im Training gesessen und gedacht: ‚Reicht es vielleicht?‘“ Die Gedanken verschoben sich erst, als sie in Pyeongchang Vierte wurde und merkte, dass der Körper wieder mitspielt. „Plötzlich war ich im Flow, und alles wurde leichter.“
Flow hin, Druck her – Justus Strelow blickt nach Oslo und sagt offen: „Es tut weh.“ Die Saison hat Spuren hinterlassen. Voigt sieht das anders. Für sie ist der Schmerz ein Signal, dass sie noch lebt, noch dabei ist. „Wenn man so lange krank war, ist jeder Muskelkater ein Geschenk.“
Am Holmenkollen kann jetzt ein einzelner Fehlschuss über Sieg oder Niederlage entscheiden. Die Streckenlage passt, die Temperaturen dürften knapp unter null bleiben – ideale Bedingungen für einen Dieselmotor, der gerade erst richtig warmgelaufen ist. Sollte Voigt tatsächlich das Podest knacken, wäre es mehr als ein Erfolg: Es wäre der Beweis, dass eine Athletin, die vor einem Jahr noch mit sich und der Welt haderte, wieder ganz oben mitfährt.
Und danach? Erst mal Tee trinken, die Ski einmotten, die Waffen säubern. Denn 2027 findet die WM erneut in Otepää statt – genau dort, wo Voigt jetzt ihre Formkurve nach oben zog. Wer heute lacht, kann morgen Gold holen.