Van der poel vollendet tirreno-doppelpack – mailand-sanremo droht machtdemonstration
Mathieu van der Poel jagt sich selbst. 213 km nach Tagliacozzo-Martinsicuro prescht der Niederländer erneut vor dem Feld her, tritt sich selbst die Tür zur Siegerzone auf und schickt neun Tage vor Mailand-Sanremo eine Kampfansage an jeden, der noch an der alten Ordnung festhalten will. Zweiter Tagessieg an der Tirreno-Adriatico, dritter Saisonsieg im fünften Rennen – die Bilanz klingt wie ein Druckfehler, liest sich aber real auf der Zeitmessung.
Pellizzari wird zur nebenrolle, van aert muss wieder zusehen
Im Sprint der Crème zielt Giulio Pellizzari auf den ersten italienischen Etappensieg, doch van der Poel schaltet eine halbe Radlänge früher und verwandelt den jungen Red Bull-Bora-hansgrohe-Hoffnungsträger zum Statisten. Wout van Aert schließt als Fünfter ab und kassiert die nächste Lehrstunde gegen seinen Erzrivalen. Filippo Ganna, letztes Jahr noch Zweiter hinter van der Poel in Sanremo, kommt auf Rang neun und spürt, wie sich die eigene Spur in den Schatten des Orangen-Zuges verliert.
Die Uhr liefert harte Zahlen: 4:58:12 h jagte die Spitzengruppe durch die Abruzzen, Schnitt 42,8 km/h. Isaac del Toro verteidigt als Zehnter das Azurblaue Trikot der Gesamtführung, doch der Name, der in jedem Gespräch über die Endabrechnung dominiert, bleibt van der Poel. Tadej Pogacar fehlt bei Tirreno-Adriatico – ein Luxusproblem für den Slowenen, der am 21. März in Ligurien auftrumpfen will.

Der countdown läuft: 221 km, ein pass, zehn sekunden ruhm
Die 61. Tirreno endet Sonntag in San Benedetto del Tronto, doch die Szene blickt schon weiter. Die Pista di Via Roma, die letzten 7 km mit 4 % Anstieg, der berüchtigte Poggio – van der Poel hat diese Strecke bereits in Muskelgedächtnis gespeichert. Drei Siege, fünf Renntage, null Ermüdungserscheinungen. Die Konkurrenz redet von Form, er praktiziert sie.
Am Freitag warten 184 km nach Mombaroccio. Die Frage ist nicht, wer gewinnt, sondern ob sich jemand traut, van der Poel zu folgen, wenn er auf dem letzten Anstieg erneut das Pendel der Geschwindigkeit durchbricht. Die Antwort bekomgt der Sportwelt am Samstag, wenn die letzte Tirreno-Etappe die Muskeln noch einmal öffnet – und am Samstag darauf, wenn Mailand-Sanremo endgültig die Rechnung präsentiert.
