Neureuther zerstört tv-regie nach vonn-crash: „respektlos bis zur schmerzgrenze“

Der Schrei ging durch Mark und Bein. Wer am 8. Februar vor dem Fernseher saß, hörte Lindsey Vonn statt dessen Jubel nur ein einziges Wort artikulieren: „Aua!“ Felix Neureuther kann ihn heute noch nachsprechen – und kocht vor Wut.

„Ich habe live gefordert, den Ton runterzuregeln“, sagt der Ex-Weltcup-Sieger im Gespräch mit der Sport Bild. „Die Regie hat es ignoriert. Stattdessen wurde die Kamera noch näher auf sie gerichtet, als sie am Boden lag. Das ist respektlos gegenüber ihrer Familie und gegenüber jedem Athleten, der mal am Boden liegt.“

Die szene, die neureuther nicht loslässt

Als Co-Kommentator der ARD saß er im Kölner Container, sah dasselbe Bild wie Millionen Zuschauer – nur mit einem entscheidenden Unterschied: Er kennt Vonn persönlich. „Wenn du jemanden jahrelang neben dir im Startkabinen-Gang stehen hast, fühlst du jeden Schmerzsschrei mit. Das ist kein Show-Effekt, das ist echte Verletzung.“

Was folgte, war für ihn ein Lehrstück darüber, wie schnell Sport zu Reality-TV wird. Die Welt-Regie schaltete zwischen Helikopter-Aufnahme und Close-up, die Mikros auf der Piste filterten nichts heraus. „Da ging es nicht mehr um Sportberichterstattung, sondern um bloße Ruhm-Stückchen“, sagt Neureuther. „So etwas darf sich eine Regie nicht mehr erlauben.“

Vonns comeback-plan läuft schon – trotz schmerz

Vonns comeback-plan läuft schon – trotz schmerz

Während die Diskussion um Ethik und TV-Etiquette tobt, arbeitet Vonn bereits am Gegenentwurf. Auf Instagram postete sie Videos, wie sie mit angezogener Knieschiene auf dem Laufband trainiert. Der Rollstuhl steht bereits im Keller, die Krücken warten neben der Haustür. „Sie will in Kitzbühel wieder in die Starttasche steigen“, weiß Neureuther. „Das ist ihre Art, sich selbst und der TV-Regie zu beweisen: Ihr bekommt mich nicht klein.“

Die Zuschauer-Zahlen des Rennens lagen laut ARD bei 3,24 Millionen. Die Quote für menschliche Nähe: unbekannt. Für Neureuther steht fest: „Wir müssen wieder lernen, dass Athleten keine Clowns sind, die für gutes TV sterben.“